Süchtige sind immer auf der Suche nach neuem Stoff. Je nachdem, was das Suchtmittel der Wahl ist, kann der Bezug einfacher oder schwieriger sein. Alkohol und Zigaretten sind leicht zu bekommen, da sie überall und rund um die Uhr verfügbar sind. Auch andere Genussmittel wie Schokolade, Erdnüsse oder sonstiger Süß- und Knabberkram lassen sich leicht beschaffen. Dafür Geld zu bezahlen, finden wir selbstverständlich. Eine Schachtel Zigaretten kostet inzwischen sechs Euro, habe ich mir sagen lassen. Wenn es aber um den Konsum geistigen Eigentums anderer geht, nach dem viele von uns mindestens genauso süchtig sind wie nach der leckeren Schokolade oder dem teuren amerikanischen Markeneis, sieht das komischerweise anders aus. Illegale Downloads, zwielichtige kostenlose Streamingplattformen, deren Legalität ich als mindestens „tiefgrau“ einstufen würde, sowie Tricksereien mit ausländischen IP-Adressen sind nach wie vor beliebte Mittel, die Sucht zu befriedigen. Ich finde das faszinierend.

Die Menschen hinter der Story

Das kam jetzt falsch rüber, denn eigentlich finde ich es traurig. Hinter jeder Serie steckt nicht nur eine Produktionsfirma, sondern mindestens ein kreativer Kopf, meistens sogar mehrere. Das sind Menschen, die sich Geschichten überlegen, um andere wie dich und mich zu unterhalten. Um uns ein kurzes mediales Ausbrechen aus dem Alltag zu erlauben und in fremde Welten zu entführen. Damit tragen sie einen großen Teil dazu bei, unser Leben schöner zu machen, oder? Mein Leben wäre nämlich definitiv ärmer, könnte ich meine Abende nicht mit meinen aktuellen Serienobsessionen verbringen. Wie viele schöne, spannende und emotionale Stunden ich in den letzten Jahren mit den Sopranos, den Fishers, den Bishops, den hübschen kleine Lügnerinnen, den auf der Insel Gestrandeten oder den gut aussehenden Männern in Anzügen hatte, kann ich nicht einmal annähernd beziffern. Und das will ich auch nicht, denn ich bin einfach dankbar dafür, in einer Zeit zu leben, in der mir dieses kleine (fast) tägliche Vergnügen vergönnt ist. Dankbar, dass es Menschen und Firmen gibt, die meine Sucht nach seriell erzählten Geschichten befriedigen und sich immer wieder neue Storys einfallen lassen.

Legal schauen oder auf dem neuesten Stand sein – eine Grundsatzentscheidung

Auch ich bin der Seriensucht verfallen, wie den Lesern dieses Blogs schon lange klar ist. Auch ich möchte nicht ein Jahr auf neue Folgen meiner Lieblingsserie warten. Ich möchte mir aber genausowenig jede Folge sofort nach Erscheinen in den USA oder Großbritannien kostenlos irgendwo in einer zwielichtigen Ecke des Internets anschauen, denn in meinen Augen ist das Diebstahl geistigen Eigentums. Hart gesagt ist das nämlich nichts anderes, als sich in einer Buchhandlung den neuesten Bestseller unter den Mantel zu stecken und ihn kostenlos mit nach Hause zu nehmen. Man mag diese Einstellung krass oder übertrieben finden und mir ein „Aber die Firmen verdienen genug Geld daran – so what?“ zurufen. Für mich gibt es da trotzdem keine zwei Meinungen. Semilegales Streaming hat nämlich weitreichende Konsequenzen, setzt es doch einen Teufelskreis in Gang. Wer sich die aktuellen Folgen bereits online angesehen hat, wird sich diese kaum noch im TV oder im legalen Streaming anschauen. Auch die DVD wandert wahrscheinlich nicht ins Regal. Die Einnahmen aus diesem „Vergnügen“ belaufen sich für die Produktionsfirma und Co. also auf 0 Euro. 0 Euro für die Arbeit der Autoren, Regisseure, Darsteller, Produktionsfirmen, TV-Sender, Vertriebskompanien oder Streaminganbieter. Würdet Ihr für 0 Euro arbeiten? Ich nicht, weshalb sich in meinen Augen auch niemand, der solche tiefgrauen Methoden nutzt, jemals darüber beschweren darf, wenn seine Lieblingsserie wegen schlechter Quoten oder Aufrufzahlen eingestellt wird. Er ist Teil dieses Problems.

Eine Frage des Geldes? Eher eine der Einstellung…

Ich kenne alle Gründe, die dafür sprechen, diese Grauzone zu betreten, glaubt mir. Nicht nur die der Aktualität, sondern auch die finanziellen. Aber mal ehrlich: Amazon Prime kostet 69 Euro im Jahr, für Studenten sogar nur 34 Euro. Für ein Netflix-Abo für zwei Geräte fallen monatlich 9,99 Euro an; teilt man es sich mit einem Freund liegt der Preis für unbegrenztes Streaming hier monatlich unter fünf Euro. Ganz legale und kostenlose Unterhaltung bieten zudem die Mediatheken der TV-Sender sowie Portale wie MyVideo, Clipfish oder auch YouTube. DVDs und Blu-rays lassen sich wunderbar in der örtlichen Bücherei ausleihen, so uncool sich das zunächst auch anhört. Das Angebot dort ist meistens viel besser, breiter und aktueller, als man es sich vorher ausgemalt hat.

Ich bin darum der festen Überzeugung, dass das Betreten der genannten Grauzonen immer eine bewusste Entscheidung ist, die in den seltensten Fällen wirklich etwas mit der Finanzlage zu tun hat. Hier bahnt sich die Sucht ihren Weg, was ich sehr gut verstehen kann. Dennoch hilft auch hier, wie in so vielen Situationen des Lebens, die Gelassenheit weiter: Serienstaffeln sind kein vergängliches Gut, sondern haben auch ein paar Wochen oder Monate nach der Ausstrahlung im gelobten Land nichts an Qualität eingebüßt. Und Vorfreude ist bekanntlich immer noch die schönste Freude, oder?

Eigentlich wollte ich nur über die verschiedenen Wege schreiben, auf denen Serien bezogen werden können – nun ist ein Plädoyer für legalen Konsum und Respekt gegenüber dem geistigen Eigentum anderer daraus geworden. Trotzdem möchte ich zum Abschluss noch eine kleine Umfrage starten, also verratet mir doch, welche Wege ihr nutzt, um Euch Serien auzuschauen.  Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse und auch auf Eure Meinung zu diesem doch brisanten Thema. Aber hey – wer nicht fragt, bleibt dumm, oder? :-)