Fußball interessiert mich nicht die Bohne. Bei EMs oder WMs (Oder müsste es EMen und WMen heißen? Da bin ich gerade überfragt; werde das nachschlagen.) nehme ich mir immer vor, dass ich mir das „wichtige“ Viertelfinale, Halbfinale, was auch immer-Finale auf jeden Fall angucke, langweile mich dann aber schon bei der Nationalhymne und schalte spätestens nach fünf Minuten um (das gleiche Phänomen lässt sich übrigens auch – ohne Nationalhymne – beim Tatort beobachten). Dennoch bediene ich mich heute mal eines Ausdrucks aus der Fußballsprache. Die letzten drei, vier Wochen könnte ich nämlich auch locker umbenennen in Englische Wochen. Und ich meine damit nicht, dass ich unter der Woche Fußball gespielt oder geguckt habe. Jaha, ich weiß nämlich sehr wohl, was der Ausdruck bedeutet, meiner fußballverrückten Schwester sei Dank!

Nein, vielmehr habe ich mich – das erste Mal während meines Serienprojekts – an zwei britische Fernsehserien gewagt, die zu allem Überfluss auch britischer nicht sein könnten. Fangen wir an mit der TV-Version eines Literaturklassikers.

Sherlock Holmes, brillanter, aber exzentrischer Privatdetektiv – Ich liebe es, wenn er sich selbst als „consulting detective“ bezeichnet! – und Dr. John Watson, ehemaliger Militärarzt, bewohnen das berühmte Londoner Appartment 221b in der Baker Street. In schöner Regelmäßigkeit greifen die beiden der lokalen Polizei unter die Arme, die es ohne Sherlocks Brillanz überhaupt nicht gebacken kriegt, schwierige Fälle zu lösen.

In Staffel 1 klären sie das Rätsel um einen Serienmörder und einen Schmugglerring auf und kommen erstmals mit dem Hauptantagonisten aus Staffel 2, Jim Moriarty (seines Zeichens „consulting criminal“), in Kontakt. Staffel 2 bietet neben dem finalen Showdown zwischen Sherlock und Moriarty den Fall einer Domina, die pikante Fotos eines Mitglieds der Königsfamilie besitzt sowie eine Folge über eine mysteriöse Militärbasis, in deren Nähe eine Bestie ihr Unwesen treibt. Staffel 3 mit weiteren drei Folgen wird an Himmelfahrt und Pfingsten auf ARD ihre Free-TV-Premiere feiern.

Neben Sherlock Holmes, Dr. Watson und Jim Moriarty sind als weitere wichtige Figuren Detective Lestrade, Mrs. Hudson sowie Sherlocks Bruder Mycroft zu nennen. Lestrade hat Sherlock bereits einige Male bei kniffligen Fällen zu Rate gezogen. Ihre gute Zusammenarbeit wird am Ende von Staffel 2 allerdings in Frage gestellt. Mrs. Hudson, die Vermieterin von Sherlock & Watson, ist so etwas wie die gute Seele der Serie; ganz im Gegensatz zu Sherlocks Bruder, einem hochrangigen Politikberater, der ein schwieriges Verhältnis zu seinem Bruder pflegt.

Zwei Dinge machen diese Neuauflage des Klassikers von Arthur Conan Doyle absolut sehenswert: Die Hauptdarsteller und die wirklich innovativen und bis zum Ende hin spannenden Fälle. Ich gestehe: Bevor ich mir die Serie angeschaut habe, hatte ich Benedict Cumberbatch noch nie in einer Produktion – sei es Film oder Serie – gesehen. Schade eigentlich, denn den Sherlock Holmes spielt er super. Allein jede Folge diese ewiglangen Monologe runterzurattern – Wahnsinn.

„Her coat is slightly damp; she’s been in heavy rain in the last few hours. No rain anywhere in London in that time. Under her coat her collar is damp too; she’s turned it up against the wind. She’s got an umbrella in her left-hand pocket, but it’s dry and unused: not just wind, strong wind, too strong to use her umbrella. We know from her suitcase that she was intending to stay overnight, so she must have come a decent distance, but she can’t have traveled more than two or three hours because her coat still hasn’t dried. So, where has there been heavy rain and strong wind within the radius of that travel time? Cardiff.“ (Folge 1.1: A Study in Pink)

Den exzentrischen, etwas soziopathischen „consulting detective“ nimmt man Cumberbatch absolut ab, er macht im langen Mantel und mit überheblichem Blick zudem auch eine wirklich gute Figur. (On another subject: Sherlock Holmes würde sich gut mit Sheldon Cooper verstehen, glaube ich). Auch die Chemie zwischen Cumberbatch und Martin Freeman, dem Darsteller des Doktor Watson, stimmt. Die beiden Hauptfiguren kabbeln sich schon nach kurzer Zeit wie ein altes Ehepaar, was dem Zuschauer spritzige Dialoge beschert. Die Fälle sind allesamt wenig vorhersehbar, so dass es auch gar nicht schwer fällt, sich 90 Minuten auf die Geschichte einzulassen – es kommt am Ende eh meist anders als gedacht. Als fast-nur-Serien-und-nur-ganz-selten-Filmegucker ist meine Aufmerksamkeitsspanne ja generell eher kurz, ich bin auf 40-60 Minuten eingestellt. 90 Minuten Sherlock vergingen jedoch stets wie im Flug. Ein größeres Kompliment kann ich der Serie eigentlich nicht machen.

So, aber allein der Konsum von sechs Folgen Sherlock rechtfertigt noch nicht die Bezeichnung der letzten Zeit als Englische Wochen. Ich habe nämlich nicht nur Sherlock und Watson beim Lösen von Kriminalfällen zugeschaut, sondern war auch zum ersten Mal mit einem namenlosen Doktor und seiner blonden Begleitung in Zeit und Raum unterwegs. Mit wem? Ach so, mit Doctor Who.

In der Bücherei meines Vertrauens fiel mir die erste Staffel dieser Serie zufällig in die Hände und dann habe ich sie spontan mitgenommen. Mein Serienplan ist zwar eigentlich sowas von rappelvoll, aber was soll’s. Eine mehr geht ja immer noch. Und die 13 Folgen habe ich dann auch wirklich schnell geschaut. Grundsätzlich bin ich der Serie ja schon mal wohlgesonnen, weil es sich um Science-Fiction handelt. Zeitreisen sind spannend und auch Aliens können durchaus unterhaltsam sein. Die Idee, dass ein Alien mit einer menschlichen Begleiterin durch die Galaxien reist und dort für Recht und Ordnung sorgt (naja…) ist auch interessant.

In Staffel 1 lernt Rose Tyler (Billie Piper), eine Verkäuferin, den Doktor (Christopher Eccleston) kennen, als er sie vor zum Leben erwachten Schaufensterpuppen rettet. Er bietet ihr daraufhin an, mit ihm in seinem Raumschiff, der Tardis, auf Abenteuerreise durch Raum und Zeit zu gehen. Sie lässt dafür ihre Mutter sowie ihren Freund Mickey zurück. Im Laufe von Staffel 1 reisen sie sowohl in die Vergangenheit (19. Jahrhundert, 2. Weltkrieg, 1980er) als auch weit in die Zukunft (in die Jahre 200000 sowie 5000000000), kehren aber auch immer wieder für kurze Zeit in die Gegenwart, ins Jahr 2005, zurück.

Zunächst fand ich die Folgen etwas klamaukig, das gebe ich zu. Wie schon bei so vielen Serien vor Dr. Who hat sich mein Eindruck aber im Laufe der Staffel sehr ins Positive verändert. Wenn man erstmal mit den Figuren und der Ausgangssituation besser vertraut ist, kann man die Geschichten auch besser würdigen. Was mir besonders gefallen hat, waren die lustig verpackten gesellschaftskritischen Aspekte in einigen Folgen. Übersteigerter Schönheitswahn, Zensur, Gameshows, Big Brother und generell das Genre des Reality TV bekommen in den Folgen, die in der Zukunft spielen, allesamt den Spiegel vorgehalten. So besteht der letzte Mensch im Jahr 5000000000 vor lauter Schlankheitswahn nur noch aus einem auf eine Leinwand gespannten Hautfetzen, der ständig befeuchtet werden muss (Folge 2); in Folge 12 werden die Bewohner des Big Brother-Hauses und die Teilnehmer einer Spielshow im Jahr 200000 nach ihrem Ausscheiden (vermeintlich) getötet. Daneben treffen der Doktor und Rose sowohl in Zukunft als auch in Vergangenheit auf unzählige andere Aliens, manche netter (z.B. Captain Jack Harkness), manche weniger nett (etwa die Daleks, die ich extrem belustigend finde).

Insgesamt hatte ich ein paar nette Tage mit der ersten Staffel Doctor Who und werde mir bei Gelegenheit gerne weitere Staffeln anschauen. Das kann allerdings noch etwas dauern, mein Serienplaner ist ja jetzt schon voll und in den nächten Wochen starten – neben der dritten Staffel Sherlock – noch zwei weitere Serien im deutschen Free TV, die mich interessieren. Dazu dann aber ein anderes Mal mehr. Die Englischen Wochen sind damit also fürs Erste erfolgreich beendet.

Ach so, und wen’s interessiert: Hadumod Bußmann, des Linguisten erste Anlaufstelle bei Zweifeln aller Art, erläutert, dass der Plural von Abkürzungen wie WM oder Azubi auf -s gebildet wird. (vgl. Bußmann, Hadumod (2008): Lexikon der Sprachwissenschaft. 4., durchgesehene und bibliographisch ergänzte Auflage. Stuttgart, S. 2.). Ham wir wieder was gelernt.