Völlig zu recht ist der Januar einer der unbeliebtesten Monate. Er ist unendlich lang. Jeder seiner Tage ist unendlich lang und beginnt und endet im Dunklen (zumindest für mich). Er ist kalt, nass und windig. Es ist mir ein Rätsel, wie Menschen unter diesen Bedingungen noch Vorsätze wie mehr Sport oder weniger Süßes umsetzen können. Ich hab es ja noch nicht mal geschafft, meinen Wunsch nach mehr Zeit für den Blog wahr werden zu lassen.

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich letztes Wochenende schon diesen Beitrag schreiben wollte, mein Laptop aber stur behauptete, er könne keine Internetverbindung herstellen. Nun gut, dieses Wochenende kann er das spannenderweise wieder (ist ja auch nicht mehr Januar, vielleicht hatte er auch einfach die Schnauze voll von diesem Endlosmonat), sodass ich endlich dazu komme, meine Film- und Serienvergnügungen zu besprechen. Mit dabei: Eine Dokuserie, die mich so gut unterhalten hat wie lange nichts mehr, einige Oscargewinner aus früheren Jahren – und weiterhin auch ein paar Filme, die man sich hätte schenken können. Ich bleibe also auch im neuen Jahr meinem bisweilen mäßigen Händchen bei der Filmauswahl treu…

Filme

Das perfekte Geheimnis (Prime): Ich erinnere mich, dass dieser Film kommerziell sehr erfolgreich war. Die Idee ist auch durchaus spannend, schließlich haben sicherlich viele Menschen Dinge auf ihrem Handy, die andere lieber nicht sehen sollten. Leider verliert der Film sich für mich zu sehr in stereotypen Charakteren und Klischees (die Karrierefrau, die doch lieber Vollzeitmutter wäre; der coole Typ, der nicht zugeben kann, dass er schwul ist; die Therapeutin, die nicht weiß, wie sie mit ihrer eigenen Tochter reden soll). Deshalb nur Durchschnitt.

Der Rausch (Prime): Bester fremdsprachiger Film bei den Oscars 2021, da kann man schon mal einen Blick wagen. Und der lohnt sich, denn auch wenn es viele Filme rund um das Thema Alkoholkonsum und seine Folgen gibt – diese Geschichte hat man noch nicht gesehen. Mir bleibt vor allem das Ende in Erinnerung, das einfach perfekt ist und mir mit dem Song „What a Life“ auch einen neuen Ohrwurm beschert hat.

Eternals (Disney+): Ich glaube, bei keinem anderen Streamingdienst kann man Filme schon so kurz nach der Kinoausstrahlung abrufen. Gerade jetzt in der Pandemie begrüße ich das sehr, denn so schmerzt es weniger, wieder mal einen Film in Kino verpasst zu haben. Eternals führt eine ganze Reihe neuer Heldinnen und Helden ein und schafft es trotzdem, jeder und jedem davon Raum zu geben und auch noch die Gesamtgeschichte in das große Ganze MCU einzuordnen. Bin gespannt, inwieweit Eternals-Figuren ab jetzt auch in anderen Marvel-Filmen mitmischen werden.

Game Night (Netflix): Eine nette, wenn auch zum Ende hin etwas überdrehte Komödie. Mit 100 Minuten aber wirklich perfekte Feierabendunterhaltung.

Little Women (Netflix): So ein schöner Film voller starker und komplexer Frauenfiguren. Ich steh gar nicht unbedingt auf Historienfilme, aber die Geschichte rund um vier ungleiche Schwestern nimmt einen einfach mit. Da stören auch ein paar bauschige Kleider nicht. Highlight!

Moonlight (Netflix): Ein Film, den ich gern mehr gemocht hätte. Habe mich schwer getan, einen Zugang zur Geschichte zu finden und so richtig gelungen ist es mir die ganze Laufzeit über nicht. Das sagt aber mehr über mich und meine kleine Welt als über den Film aus, glaub ich.

Moulin Rouge! (Disney+): Moulin Rouge war gar nicht mein Ding. So überhaupt nicht. Die Bildwelten nicht, die Musik nicht, die Geschichte nicht. Ich bin immer wieder überrascht, wenn das bei Filmen passiert, die von vielen Menschen gemocht werden. Aber über Geschmack lässt sich vermutlich einfach nicht streiten.

Nomadland (Disney+): Wie nennt man das Genre, dem dieser Film angehört? Doku-Spielfim? Spielfilm-Doku? Es ist jedenfalls mal eine andere Art, eine Geschichte rund um (unfreiwillige) Aussteiger zu erzählen. Ob man diesen Film nun mit Oscars überhäufen muss? Naja…

Shaft (Netflix): Samuel L. Jackson macht all die Dinge, die er in anderen Actionfilmen auch so macht. Joa. Soll er halt.

Sherlock Holmes (Netflix): Ich bin verwöhnt. Und zwar von der Sherlock-Serie mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Dieser Film kann der BBC-Produktion mal so gar nicht das Wasser reichen. Da kann auch Robert Downey Jr. als Sherlock nichts mehr retten. Habe erst nach der Sichtung erfahren, dass Guy Ritchie hier Regie geführt hat. Das erklärt auf einer weiteren Ebene, warum der Film nicht meins war.

The Great Gatsby (Netflix): Können wir kurz darüber sprechen, dass Leonardo DiCaprio geboren wurde, um Betrüger und Exzentriker zu spielen? Die Rolle des Jay Gatsby ist ihm einfach auf den Leib geschrieben. Dass die Geschichte an sich eigentlich schnell erzählt ist und es mir bei fast 2 1/2 h Laufzeit trotzdem nicht langweilig wurde, spricht eindeutig für den Film.

The Guilty (Netflix): Das ist ein Film, der meiner Meinung nach irgendwo in der Mitte falsch abbiegt. Die erste Hälfte ist megaspannend, aber je näher man der Auflösung rückt, desto merkwürdiger wird es. Dazu kommt, dass der Herr Koch und ich es unglaublich schwer fanden, die Personen am Telefon zu verstehen (trotz deutscher Synchro!). Wir haben irgendwann Untertitel eingeschaltet, um den Faden nicht zu verlieren. Entweder haben wir beide Hörprobleme oder die Audioqualität könnte besser sein…

The Interview (Netflix): „Maren, welche Art von Film gefällt dir denn gar nicht?“ – „Filme, die so sind wie ‚The Interview‘ – flach, vulgär, belanglos.“

The Power of the Dog (Netflix): Ich frage mich bei diesem Film immer noch, was sein Hauptthema ist. Liebe? Familie? Rache? Oder gar Coming of Age? Es ist mir schlicht nicht klar. Aber Benedict Cumberbatch spielt mit, das reicht auch.

Training Day (Netflix): Man, das ist ein brutaler Film. Mehr ist mir davon nicht in Erinnerung geblieben…

Serien

Lucifer (Prime, Staffel 6): Es ist vorbei. :-( Ich fand die letzte Staffel ein bisschen abgedreht, was vor allem an der neuen Figur liegt, die noch mal alles durcheinanderbringt. Trotzdem gibt’s ein emotionales und versöhnliches Ende – etwas, dass diese Serie auf jeden Fall verdient!

Pretend It’s a City (Netflix, Doku-Miniserie): Fran Lebowitz ist eine New Yorker Schriftstellerin und so etwas wie eine Stadtikone. Sie ist außerdem gut mit Martin Scorsese befreundet, der diese 7-teilige Doku über sie und mit ihr produziert hat. Und die lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Sensationell. Ich bin lange nicht mehr so gut unterhalten worden wie von dieser Miniserie. In einer Mischung aus Interviews, New-York-Impressionen und Archivausnahmen nimmt Lebowitz Stellung zu Themen von Geld über Bücher bis hin zu Wellness und erzählt aus ihrem Leben. Klingt nicht sonderlich aufregend? Ist es vielleicht auch nicht, aber sie tut es so humorvoll, klug und reflektiert, dass man nicht anders kann, als ihr gerne zuzuhören und oft auch zustimmend zu nicken. Ein Teil des Unterhaltungswertes kommt übrigens dadurch zustande, dass Martin Scorsese in vielen Situationen neben ihr sitzt und sich vor Lachen einfach nicht mehr einkriegen kann, während sie etwas erzählt, kommentiert oder schlichtweg hasst (wie gesagt, die Frau ist speziell). Alles an dieser Doku ist wunderbar, sympathisch und unterhaltsam. Ich hätte mir das noch 300 weitere Folgen lang angucken können. Ganz große Empfehlung! ♥

Highlights und Flops des Monats

Top-Film: Little Women

Flopfilm: The Interview

Top-Serienstaffel: Pretend It’s a City

Flop-Serienstaffel: /

Drei Filme, die im Februar auf der Watchlist stehen

  1. The Girl with the Dragon Tattoo
  2. Mullholland Drive
  3. Léon: The Professional

Neue Serienstaffel(n), auf die ich mich im Februar freue

Brooklyn Nine-Nine (Netflix, Staffel 7 ab 06.02.2022)

The Marvelous Mrs. Maisel (Prime, Staffel 4 ab 18.02.)

Habt ihr den langen Pandemie-Januar auch so wie ich fleißig vor dem TV verbracht? Mein Konsum ist jedenfalls nach wie vor hoch. Sagt doch mal: Welchen Film soll ich im Pandemie-Februar denn noch mit auf meine Liste setzen? Und welche Serie hat euch zuletzt überraschend gut gefallen, obwohl ihr nichts von ihr erwartet hattet?