Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich diesen Rückblick-Beitrag, der hoffentlich eine Art Wiedereinstieg in mein Bloggerleben ist, nennen könnte. Wie lässt sich dieses Jahr am besten charakterisieren? Was war prägend, wichtig, erinnerungswürdig? Die Wahrheit ist: alles und nichts. Denn auch wenn ich (und wahrscheinlich viele andere) 2020 am liebsten komplett vergessen würde, wird es eines dieser Jahre sein, an das ich mich immer erinnern werde. Starke Leistung, 2020. Starke Leistung.

Keine Sorge, es folgt nun keine von Trauer und Melancholie geprägte Auflistung aller Dinge, die in den letzten Monaten schlecht waren. Aber ich bin auch nicht hier, um jemandem vorzumachen, 2020 hätte mich nicht verändert. Gerade zu Beginn der Pandemie konnte ich sehr schlecht mit der Situation umgehen und hatte Angst um meine und die Gesundheit der Menschen in meinem Umfeld. Im Laufe der Monate sind die Ängste weniger geworden. Wie die meisten Menschen habe ich gelernt, damit zu leben. Mein Bewältigungsmechanismus: Ich habe klare Regeln, mit welchem Verhalten und welchen Aktivitäten ich mich wohlfühle und mit welchen nicht und artikuliere das auch sehr deutlich. Immer freundlich, aber eben auch unmissverständlich.

Glücklicherweise sind die Reaktionen darauf meistens positiv. Aber selbst wenn nicht, juckt mich das kaum noch. Ich lebe nach dem Motto „Better safe than sorry“ und wem das nicht passt, der kann es ja anders machen. Immer noch und auch immer wieder bin ich fasziniert darüber, wie manche Menschen in diesem Jahr gelebt haben, als gäbe es Corona nicht. Urlaube, Partys, große Familientreffen, private Übernachtungsbesuche. Als wäre das Virus kein Thema. Interessanterweise beobachte ich das insbesondere bei Menschen, die durch die Pandemie keine finanziellen Einbußen erlitten haben, sich keine Sorgen um ihren Job machen müssen und dort auch nicht mit der Krankheit konfrontiert werden. Nur meine Erfahrung, nicht statistisch belegt natürlich, aber irgendwie bemerkenswert. So als könne Geld Immunität kaufen. Oder das Recht, sein Leben unbeeinflusst fortzusetzen.

Aber ich schweife ab. Ja, 2020 hat für den Herrn Koch und mich durch Kurzarbeit enorme finanzielle Einbußen mit sich gebracht. Ich arbeite inzwischen wieder voll, aber beim Herrn Koch ist es ein Auf und Ab. Nach dem schlechten Frühjahr inklusive Lockdown waren der Sommer und auch der Herbst recht umsatzstark und auch ohne Kurzarbeit zu bewältigen. Während ich dies schreibe, sitzt er allerdings im Nebenraum, denn wir befinden uns bekanntlich in Lockdown 2. Wenn ich mir die Infektionszahlen aktuell anschaue, mache ich mir auch wenig Hoffnung, dass sich das im Dezember ändert. Auch wenn ich mir nichts mehr wünsche, denn ganz ehrlich: Ohne das Weihnachtsgeschäft geht diese Branche kaputt. Vor allem wenn man sich klar macht, dass in vielen Betrieben Januar und Februar schon in normalen Jahren eher umsatzschwach sind und eigentlich über die Dezembereinkünfte mitfinanziert werden. Und es wäre schon toll, wenn der Herr Koch auch nächstes Jahr noch einen Job hätte, meinetwegen auch einen mit Kurzarbeit, wenn es denn nicht anders geht.

So oder so: Zukunftsplanung ist schwierig gerade. Dabei sollten 2020 und 2021 eigentlich spannende Jahre werden. Im September wollten wir unsere Hochzeitsreise nachholen (3 Wochen Kanada und USA, was wir aus offensichtlichen Gründen gecancelt haben) und danach anfangen, uns mit dem Thema Hauskauf zu beschäftigen. Auch das liegt nun natürlich auf Eis. Als Agentur-Texterin und Koch mit mäßigen Einkommen und wenig Eigenkapital finden Banken uns eh nicht besonders sexy, aber mit Kurzarbeit und den düsteren Prognosen für die Gastronomie müssen wir bei den explodierenden Immobilienpreisen nicht mal einen Beratungstermin vereinbaren. Also lassen wir es bleiben aktuell, auch wenn es mich fast zerreißt. Unsere Nachbarn haben gerade neulich verkündet, dass sie nun ein Haus gekauft haben, und ich hasse sie dafür. Also nicht wirklich natürlich, aber doch irgendwie.

Nützt ja aber alles nichts, also versuche ich, von Tag zu Tag und Woche zu Woche zu denken und mich zu Hause zu beschäftigen, bis dieser ganze Spuk irgendwann vorüber ist. Das gelingt mir im Normalfall auch außerordentlich gut, denn 2020 hat mir gezeigt, dass ich eigentlich ein introvertierter Mensch bin. Mir fehlen viele Aktivitäten, die aktuell verboten sind, einfach überhaupt nicht. Meine Wochenenden verbringe ich mit Spaziergängen, backen, häkeln, telefonieren sowie Serien und Filmen. Ja, Filmen, denn 2020 hat es geschafft, einen Filmfan aus mir zu machen. Der Herr Koch und ich verbrachten dieses Jahr so viele Abende zusammen wie noch nie in unserer mehr als sechsjährigen Beziehung und um nicht immer nur Serien zu schauen, haben wir irgendwann angefangen, auch mal Filme einzubauen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich nun auch welche schaue, wenn ich alleine zu Hause bin. Turns out: Das macht richtig Spaß. Und ich hab richtig Lust, über einige davon zu schreiben. Und genau das werde ich in den kommenden Wochen mal versuchen.

Ohne Stress, ohne Druck und ohne Erwartungen an mich selbst. Vielleicht schreibe ich jedes Wochenende eine Review, vielleicht auch nicht. Vielleicht mache ich auch mal beim Media Monday mit, wenn ich Lust habe. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist das also meine Blogrückkehr. Vielleicht aber auch nur eine Phase. Wenn 2020 mich eines gelehrt hat: Pläne sind gut und schön, aber am Ende können wir nicht alles im Leben kontrollieren. Und irgendwie ist das ja gerade die große Herausforderung, oder?