Ich war noch nie der Typ Mensch, der am Jahresende melancholisch zurückblickt und das Jahr Revue passieren lässt. Auch Vorsätze für das neue Jahr finde ich absurd. Was ist denn der Dezember anderes als das zufällig festgelegte Ende eines nicht weniger zufällig definierten Zeitraums? Warum also genau dann einen Schlussstrich ziehen oder neu starten? Meiner Meinung nach geht beides das ganze Jahr über. Trotzdem komme ich 2019 nicht umhin, kurz inne zu halten und darüber zu stauen, was sich in (etwas mehr als) 365 Tagen alles verändern kann. Und wie dann doch alles beim Alten bleibt.

Zugegeben: Bevor ich angefangen habe, diesen Beitrag zu schreiben, musste ich erstmal die Blogbeiträge lesen, die ich seit unserem Umzug Ende November 2018 hier veröffentlicht habe. Puh, ja. Das waren nicht so viele. Schon dort klang allerdings an, welche Themen 2019 definieren sollten: Umzug, neuer Job, Hochzeit. Und so war es dann auch.

Um 360 Grad: Umzug

Der Umzug fand ja bereits Ende November letzten Jahres statt, beschäftigte uns aber natürlich auch in 2019 weiter. Denn in einer neuen Umgebung muss man eben erst mal ankommen, auch wenn man sie schon von früher kennt. Der Herr Koch und ich wohnen nach etwas mehr als drei Jahren in Braunschweig nun wieder in der Nähe von Kiel – der Stadt, in der wir uns 2014 kennengelernt haben. Alles in allem fiel uns die Rückkehr mehr als leicht. Die Wohnung war relativ schnell eingerichtet (über das Internetdrama schweigen wir an dieser Stelle…) und auch an das ländlichere Leben gewöhnen sich zwei Dorfkinder, wie wir welche sind, schnell wieder. In Braunschweig haben wir mitten in der Stadt in einem studentisch geprägten Viertel gewohnt, in dem es nachts auch gerne mal lauter war. Das passiert jetzt nur noch, wenn die Teeniekinder der Nachbarn mal eine Party feiern.

Da der Herr Koch schon wenige Tage nach dem Umzug wieder anfing zu arbeiten, war von Anfang an ein Alltag gegeben, der es uns sicherlich noch einfacher gemacht hat, schnell ein Gefühl des Angekommensein zu entwickeln.  Und auch, dass wir jetzt wieder direkt an die Ostsee wohnen, genießen wir sehr. Es war ebenfalls ein großes Glück, dass wir so kurzfristig eine Wohnung gefunden haben, die eine gute Lage hat und in der wir uns sehr wohlfühlen. Hier bleiben wir auf jeden Fall noch einige Zeit, denn der nächste Umzug soll eigentlich erst stattfinden, wenn wir ein Eigenheim gefunden haben. Das ist aber eher ein Projekt für 2021 oder später. ;-)

Um 360 Grad: Job

Ich habe in einigen Beiträgen Anfang des Jahres ein paar Andeutungen zu meinem neuen Job gemacht, aber so richtig konkret waren die nicht. Noch mal zur Erinnerung: Als wir umzogen letztes Jahr, hatte nur der Herr Koch eine neue Stelle. Ich habe meinen Job als Online-Redakteurin in einer Social-Media-Agentur in Braunschweig gekündigt, ohne eine neue Beschäftigung in Aussicht zu haben. Schlimm fand ich das nicht, denn ich bin 1. schon einmal aus dem Nichts beruflich neu durchgestartet und hätte 2. den Job in Braunschweig sowieso zeitnah aufgegeben bzw. gewechselt. Vieles, was dort eine Zeit lang gepasst hat, passte ab Frühjahr 2018 nicht mehr und letztlich war die Kündigung nach einigen schwierigen Monaten eine echte Erleichterung.

Wie so oft war es dann der Zufall, der mir meinen neuen Job bescherte. Im Dezember, noch mitten im Umzugschaos, recherchierte ich als vorbildliche Arbeitslose natürlich nach beruflichen Möglichkeiten in meinem neuen Umfeld. Neben dem klassischen Angestelltenjob war auch eine freiberufliche Tätigkeit als Texterin/Redakteurin lange etwas, das ich mir gut vorstellen konnte und über das ich mich sehr gründlich informiert habe (danke u. a. an ballblog für seine Beratung in diesem Bereich!). Gerade mit einem Partner, der Schicht-/Teil-/Wochenend- und Feiertagsdienste arbeitet, sind flexible Arbeitszeiten schließlich nicht das Schlechteste.

Ein Kaltstart als Freiberufler in einer neuen Umgebung ist allerdings alles andere als einfach und risikolos. Viele Ratgeber etc. empfehlen, sich einen Teilzeitjob zu suchen, der die Lebenshaltungskosten deckt und eine Krankenversicherung bietet – und sich nebenbei selbstständig zu machen. So suchte ich gezielt nach passenden 20-/30-Stunden-Jobs. Unternehmenskommunikation, Marketingassistenz, PR-Mitarbeiterin, Redakteurin, Social-Media-Managerin, Texterin waren nur einige der Tätigkeiten, die ich mir vorstellen konnte. Nur eines wollte ich nicht: wieder in einer Agentur arbeiten.

Das Arbeitsamt war in dieser Hinsicht übrigens keine große Hilfe, allerdings auch kein besonderer Nervfaktor. Das Arbeitslosengeld wurde nach erster Ablehnung – ich habe meinen unbefristeten Job schließlich selbst gekündigt – nach meinem Widerspruch doch ab Tag 1 in voller Höhe genehmigt (weil berufsbedingter Umzug des Partners und Unrentabilität der doppelten Haushaltsführung). Die Arbeitsvermittlerin, bei der ich kurz vor Weihnachten 2018 antanzen durfte, war allein schon davon begeistert, dass ich eine Liste mit meinen abgeschickten Bewerbungen führte (Ehrlich, gibt es Menschen, die das nicht machen?) und sah keinerlei Bedarf, sich in irgendeiner Weise um mich kümmern zu müssen. Den nächsten Beratungstermin setzte sie auf Mai fest.

Wir sahen uns nie wieder, denn nur wenige Tage später, dann wirklich ganz kurz vor Weihnachten, hatte ich mein erstes und einziges Vorstellungsgespräch in Kiel. Und zwar genau da, wo ich eigentlich überhaupt nicht hinwollte: in einer Agentur. Gesucht wurde ein*e Texter*in (20 h/Woche) und ich weiß heute noch, dass ich in den Tagen vorher überhaupt keine Lust auf dieses Gespräch hatte. Ich war mir sicher, dass es furchtbar werden und ich den Job sowieso nicht haben wollen würde. Erschwerend kam hinzu, dass die Agentur einen Namen hat, der sehr ähnlich zu dem meines alten Arbeitgebers in Braunschweig war. Das allein hätte mich fast schon davon abgehalten, mich dort zu bewerben, so verrückt das auch klingt. Tat ich dann aber doch und wurde prompt eingeladen, woraufhin ich das denkwürdigste Vorstellungsgespräch aller Zeiten hatte.

Fast anderthalb Stunden mit einem meiner (Jetzt-)Chefs und dem Creative Director, in denen wir alle mehr Storys aus unserem Leben erzählten als über den Job zu reden und eigentlich die ganze Zeit nur über irgendetwas, das die beiden oder ich gesagt hatten, lachten. Es wurde keine der typischen Bewerbungsfragen a la „Was sind ihre Stärken?“ gestellt, ich musste nicht mal den üblichen „Erzählen Sie etwas über sich“-Sermon, den ich selbstverständlich vorbereitet hatte, herunterrattern.

Ich weiß ganz ehrlich nicht mehr, worüber wir 90 Minuten gesprochen haben. Ich weiß nur, dass ich völlig perplex die Agentur verließ, danach mit dem Herrn Koch Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt trank und mich fragte, was zur Hölle das jetzt gewesen war. Auf eine gute, aber extrem verwirrte Weise. Ich hatte mit allem gerechnet – harte Fragerunden, fiese Probeaufgaben, missbilligende Pokerblicke – und bekam ein entspanntes (wenn auch etwas seltsames) Gespräch und eine Einladung zum Probearbeitstag.

Dort lernte ich im Januar dann die ganze chaotisch-liebenswerte Truppe inklusive meines (einzigen) Texterkollegen kennen, der – wie ich viel später erfuhr – großen Anteil daran hatte, dass ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Und der auch nach dem Probearbeitstag mitentscheiden durfte, ob ich ein Jobangebot bekam. Ich bekam es. 20 Stunden/Woche ab Mitte Februar, aus denen nur kurze Zeit später 34 Stunden/Woche wurden. Und aus denen ab Januar 2020 auf meinen Wunsch hin 38 Stunden/Woche werden werden.

Schreibtischkalender_Um 360 Grad_3So kam es doch nicht zur Teilzeitselbstständigkeit, die eigentlich mein Wunsch gewesen war. Stattdessen bekam ich das, was ich überhaupt nicht wollte – und könnte heute nicht zufriedener damit sein. Merke: Nur weil es in Unternehmen A nicht gut läuft, muss das in Unternehmen B nicht automatisch auch so sein. Es steht und fällt mit den Menschen (den Chefs genauso wie den Kolleginnen und Kollegen) und der (Arbeits-)Atmosphäre. Sicherlich auch mit den Aufgaben, die jetzt wesentlich spannender und vielfältiger, aber auch herausfordernder sind als in meinem vorherigen Job.

Und mit der Erkenntnis, dass mir eine Arbeitsumfeld gut tun, in dem „die Kreativen“ (in Agenturen sind das gewöhnlich Grafiker und Texter) nicht nur die Zuarbeiter des Projektmanagements sind und vor Kunden versteckt werden. Sondern ein Umfeld, in dem alle wissen, dass sie maßgeblich dazu beitragen, dass Projekte gelingen und deshalb Freiraum bekommen, nach ihrer Meinung gefragt werden und Verantwortung übernehmen dürfen.

Ich durfte zum Beispiel schon nach wenigen Wochen im Job die Social-Media-Kanäle der Agentur völlig selbstständig und ohne Absprache mit irgendwem oder vorheriger Freigabe der Chefs mit Content befüllen. Content, den ich für richtig halte, den ich texte, für den ich fotografiere oder für den ich Fotos oder Grafiken von Kolleg*innen bekomme. So viel Vertrauen und Verantwortung hat mich am Anfang massiv überfordert und eingeschüchtert und war ein richtiger Schock. Inzwischen frage ich mich, wie ich je anders arbeiten konnte. Permanente Kontrolle erzeugt nämlich immer nur eine Wiederholung dessen, was es vorher schon gab (und was der Kontrollinstanz gefällt!), während Freiheiten dazu führen, eigene und auch mal andere Wege zu finden. Dabei geht vielleicht etwas schief, aber es bringt einen auf jeden Fall voran.

Genau das mache ich beruflich also jetzt seit über zehn Monaten: eigene Wege finden, mich dabei manchmal verlaufen, einen Schritt zurückgehen und schließlich doch immer ankommen. Dabei stoße ich regelmäßig an meine Grenzen. Kreativkampagnen aus dem Nichts zu stricken, ist für mich zum Beispiel eine monströse Aufgabe, bei der ich immer noch dankbar die Hilfe meines Kollegen annehme, der darin wirklich fantastisch ist. Dafür bin ich stark darin, Content zu erstellen, wenn Thema und kreative „Marschrichtung“ schon klar sind – völlig unabhängig davon, für welches Medium und welchen Kunden. Insofern ergänzen wir uns wirklich gut und ich denke, in dieser Agentur der etwas anderen Art, in der sich keiner allzu ernst nimmt, kann ich noch viel lernen und mich weiter ausprobieren. Damit mache ich 2020 auf jeden Fall weiter.

Um 360 Grad: Hochzeit

Womit ich 2020 jedoch nicht weitermache, ist das Thema Hochzeit. Dieses fand Ende August sein Ende, als der Herr Koch und ich am allerletzten (!) schönen Sommertag hier im Norden unsere Hochzeit feiern konnten. Es ist der blanke Wahnsinn, welche Organisation ein solches Event beinhaltet, selbst wenn es mit nicht mal 40 Gästen eher klein war. Noch mal werden wir das sicherlich nicht machen, aber für diesen Tag hat es sich rückblickend doch gelohnt.

Was haben wir gebangt, ob das Wetter halten würde – und dann war es letztlich fast zu gut (weil wirklich sehr warm). Zum Glück hatte ich ein kurzes Hochzeitskleid. Zum Glück hatten wir allen Gästen gesagt, sie sollten sich sommerlich-entspannt kleiden. Zum Glück fand die Trauung draußen und direkt an der Ostsee statt, wo ein angenehmes Lüftchen wehte. Zum Glück gab es danach keine pompöse Sahnetorte, die dahinschmelzen konnte, sondern Brownies, Muffins und Blechkuchen. Zum Glück schlug das Wetter erst nachts um, als die Fotos lange im Kasten waren und sich die Party sowieso nach drinnen verlagert hatte. Und zum Glück haben alle sich blendend verstanden, viel zu viel gegessen und gut amüsiert.

Und zum Glück ist jetzt, fast vier Monate später, wirklich fast alles erledigt, was eine Hochzeit noch nach sich zieht. Dankeskarten, Namensänderung, Finanzamt, Versicherungen. Bestimmt habe ich in irgendeinem Onlineshop noch vergessen, meinen neuen Nachnamen einzutragen, aber auch das wird sich finden. Ich bin eigentlich nur glücklich darüber, dass wir diesen Schritt gewagt haben – und auch ein bisschen, dass sich dadurch doch gar nichts geändert hat. Zumindest war es bei mir nicht so, dass ich nach der Hochzeit aufgewacht bin und mich anders gefühlt habe. Inzwischen kommt mir auch das „mein Mann“ leicht über die Lippen. Nur der neue Nachname sieht immer noch ein bisschen komisch aus auf Papier. Aber man gewöhnt sich ja an alles. ;-)

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Alles neu, alles beim Alten

Und so war 2019 ein Jahr, in dem sich viel verändert hat und doch irgendwie alles beim Alten geblieben ist. Eine 360°-Wendung auf allen Ebenen sozusagen. Hätte es ganz anders kommen können? Auf jeden Fall. Bin ich froh, dass es nun so ist, wie es ist? Definitiv. Das einzige, was ich dieses Jahr nicht herausgefunden habe, ist, wie der Blog in dieses Leben hereinpasst. Aber irgendeine Aufgabe muss ja auch für 2020 noch übrig bleiben.

Bei mir war also einiges los dieses Jahr – und bei euch? Welche Themen oder Ereignisse haben euch 2019 beschäftigt? Und welche Erfahrungen habt ihr mit Umzügen, Jobsuche und Hochzeitsplanung gemacht?