Vision: in jemandes Vorstellung besonders in Bezug auf Zukünftiges entworfenes Bild.

Der Juni und der Juli sind an mir vorbeigerauscht. Neben dem alltäglichen Wahnsinn war es vor allen Dingen ein Projekt, das mich in den letzten Wochen in Atem hielt: unsere im nächsten Sommer anstehende Hochzeit.

Schon während ich diesen Satz schreibe, finde ich es verrückt, dass ein Ereignis, dass noch über 13 Monate entfernt ist, so viel Aufmerksamkeit benötigt. Dabei bin ich nicht mal eine dieser zukünftigen Bräute, die den großen Tag minutengenau durchplant. Ich habe keine Pinterest-Pinnwand zum Thema „Hochzeit“, möchte kein Prinzessinenkleid und werde ganz sicherlich nicht die Deko für den großen Tag selbst basteln. Alles, was der Herr Koch und ich uns wünschen, ist eine schöne Trauung und anschließend einen tollen Abend mit der Familie und den engsten Freunden.

Planungswahnsinn at its best

Wer jetzt denkt, das sei ja leicht zu organisieren, der täuscht. Der standesamtliche Termin, ja der lässt sich fix reservieren. Die Partylocation hingegen bereitet uns bereits seit Wochen Kopfschmerzen. Wir haben bislang – ich sage es nochmal: über 13 Monate vor dem Termin – kein Hotel oder Restaurant in der Gegend gefunden, dass an diesem Tag noch verfügbar wäre und dass wir uns als Ort für unsere Hochzeit vorstellen könnten.

Während wir nun ernsthaft überlegen, den Termin nochmal zu ändern, geht es mir nach wie vor nicht in den Kopf, dass eine Hochzeit mehr als ein Jahr Vorlauf benötigt. Die ungeschriebene Regel, innerhalb eines Jahres nach der Verlobung zu heiraten, kann so überhaupt nicht eingehalten werden. Eigentlich wollte ich mich auch noch gar nicht mit der Planung unserer Hochzeit beschäftigen und habe nur damit angefangen, weil mir von mehreren Seiten gesagt wurde, ich wäre ja wohl schon etwas spät dran. Spät dran. 13 Monate vorher.

Sicher ist eine Hochzeit (im besten Fall) ein „Once in a lifetime“-Erlebnis, aber dennoch finde ich eine Planungsphase von über einem Jahr einfach lächerlich. Wusstet ihr, dass es es eine Saison gibt, um sein Hochzeitskleid zu kaufen? Am besten tut man dies scheinbar im Herbst, denn dann kommen die neuen Kollektionen heraus. Unsere Hochzeit ist nächstes Jahr im Spätsommer. Warum sollte ich also schon diesen September oder Oktober ein Kleid kaufen – und vor allem: Was mache ich dann noch ein Jahr lang damit? Das will einfach nicht in meinen Kopf.

Vision

Ist das, was danach kommt, nicht eigentlich viel wichtiger?

Im Zuge einer Hochzeit gibt es so viel Wichtigeres, als die Details dieses einen Tages minutiös zu planen. Zum Beispiel organisatorischen Quatsch wie die Frage nach dem Ehenamen. Aber auch die Vision, die man vom gemeinsamen Leben hat, die sich aber erst einstellt, wenn die wirklich großen Fragen auf den Tisch kommen:

Wie stellen wir uns unser gemeinsames Leben vor? Wo werden wir leben? Welche Region oder Stadt soll unsere Heimat werden? Wollen wir ein Haus kaufen oder bauen? Wie können wir das finanzieren? Was und wie viel wollen wir arbeiten? Angestellt, freiberuflich oder selbstständig? Wie können wir das Problem unserer gegensätzlichen Arbeitszeiten lösen? Wollen wir Kinder haben? Wie viele? Wann? Wer wird sie vorrangig betreuen? 

Sicherlich lassen sich viele dieser Fragen auch dann lösen, wenn sie aktuell werden. „We’ll cross that bridge when we get there“, wie der Engländer sagen würde. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir alle diese Vision von unserer Zukunft haben, wenn wir sie uns eingestehen. Meist ist sie nur verschwommen, wie das eben so ist mit Ungewissem. Niemand weiß, ob der Herr Koch und ich je ein Haus kaufen werden. Ich sehe uns trotzdem darin (und vor allem sehe ich den Herrn Koch in der Küche werkeln und im zugehörigen Garten buddeln) und werde die kommenden 13 Monate hoffentlich noch genug Zeit haben, an der Vision zu feilen. Wenn es dann mit der Partylocation nichts wird, gibt es eben eine Grillparty im Garten unserer nicht vorhandenen Hauses.

Und sonst so? – Juni und Juli in Kurzform

Arbeit: Sommerloch. Mehr sage ich dazu mal nicht. ;-)

Gesundheit: Die schlimmsten Heuschnupfenattacken habe ich inzwischen hoffentlich hinter mir. Dennoch war ich die letzten Wochen noch durchgängig auf Cetirizin angewiesen.

Hobbys: Auch im Juni und Juli haben wir leider kaum das Tanzbein geschwungen. Irgendwas war immer – und zwar immer genau an den Tagen, an denen wir zum Tanzkurs wollten. Im August starten wir einen neuen Versuch, dann gibt es einen kleinen Wiederholungskurs, bevor die neue Saison startet. Wir werden in die nächsthöhere Tanzklasse wechseln und müssen deshalb wirklich dringend diese Auffrischungsphase nutzen…

TV-Serien: Ich habe tatsächlich eine Guilty-Pleasure-Serie zu Ende gebracht, die mich schon seit ihrem Start 2010 begleitet: The Vampire Diaries. Überraschenderweise hatte ich sogar ziemlich viel Spaß in Staffel 8 – auf jeden Fall mehr als in Staffel 7. Das kitschige Ende war zu erwarten, also keine Überraschungen an dieser Stelle. Abseits davon lieben der Herr Koch und ich The Blacklist immer noch sehr und sind inzwischen in Staffel 3.

Unternehmungen: Gab es wirklich keine nennenswerten. Der Herr Koch war gefühlt in halb Deutschland unterwegs, aber ich bin brav zu Hause geblieben und habe auf die Tomaten/Gurken/Paprika aufgepasst.

Was mich glücklich gemacht hat: zu sehen, wie sich im Garten und auf dem Balkon alles prächtig entwickelt.

Was mich traurig gemacht hat: Dass Juni und Juli keine Feiertag zu bieten hatten… :-D

Habt Ihr eine Vision von Eurer Zukunft oder sogar konkrete Pläne für alle Lebensbereiche, die Ihr auf jeden Fall umsetzen wollt? Und falls Ihr verheiratet seid: Habt Ihr auch schon früh mit der Planung angefangen? Findet Ihr das ganze Drumherum nicht ebenfalls total verrückt (oder bin ich einfach nicht enthusiastisch genug?)