Es ist Halbzeit, ich habe den Äquator erreicht, 50 Prozent geschafft. Es gib zig Metaphern, mit denen ich Euch bildhaft vor Augen führen kann, dass ich die vierte von sieben Staffeln The Good Wife beendet habe. Ob auch die vom ungeliebten mittleren Kind passt? Dafür müsst Ihr schon weiterlesen… ;-)

Zur Handlung

Alicias Willensstärke wird gleich zu Beginn der Staffel hart auf die Probe gestellt, als Will nach seiner Suspendierung in die Kanzlei zurückkehrt. Sie unterstützt dennoch weiter ihren Exmann Peter, obwohl sie und Will noch immer mit der Versuchung liebäugeln. Wenigstens ihre Karriere nimmt endlich Fahrt auf, denn ihr wird eine Partnerschaft angeboten. Diane, Cary und Kalinda stecken alle tief Klemme, während die Kanzlei sich langsam von einer schweren Finanzkrise erholt: Cary kämpft darum, eine eigene Nische zu besetzen, Kalinda schlägt sich mit ihrem unberechenbaren Ex-Ehemann herum und Diane erhält ein verlockendes Jobangebot. Peter tritt bei der Gouverneurswahl an und Eli gerät in nationale Ermittlungen, während er versucht, Peter zu schützen. All diese Entwicklungen ziehen natürlich auch nicht spurlos an Alicia vorüber und stellen sie erneut vor Herausforderungen – als Mutter, als Anwältin und als Frau.

Egoismus und Risiko oder Konvention und Sicherheit?

Alicia ist auch in Staffel 4 eine Frau mit unglaublich vielen Baustellen. Das ist natürlich gewollt und ein Kernthema der Serie. Ob ihr Liebesleben (Will oder Peter?), ihr Job (gehen oder bleiben?) oder die Familie (Arbeiten oder Zeit für die Kinder haben?) – Alicias Alltag ist ein Kampf gegen die Uhr und nicht selten auch ein Kampf gegen Windmühlen. Das aber wiederum ist es, was sie so sympathisch und die Serie authentisch macht. Sie ist eine moderne Frau, die genau die Kämpfe kämpft und die Probleme hat, die Millionen Frauen ebenfalls betreffen: Wie kann ich eine glückliche Beziehung führen? Wie verdiene ich mir Respekt im Beruf? Wie kann ich Familie und Job unter einen Hut bringen? Wie kann ich all den gesellschaftlichen Konventionen entsprechen, die an mich als Frau gestellt werden? Und wie bleibe ich bei all dem täglichen Wahnsinn noch ich selbst und finde das, was mich glücklich macht? Das Beispiel Alicia zeigt auf, wie oft gerade Frauen zwischen den Polen „Egoismus“ und „Konvention“ und damit (leider?) auch ein Stück weit zwischen „Risiko“ und „Sicherheit“ wählen müssen. Wenn Alicia den Kredit für ihre Partnerschaft in der Kanzlei nur bekommt, weil Peter den Vertrag ebenfalls unterschreibt, kriegt die Feministin in mir wirklich Zustände. In Wahrheit ist das aber vermutlich eine Situation, die jeden Tag tausendfach genau so abläuft.

Fazit

The Good Wife gelingt es, unterhaltend und dennoch kritisch, wertneutral und gleichzeitig feministisch zu sein. Mir gefällt diese Mischung immer noch unglaublich gut und auch Staffel 4 hat mich überzeugt (kein Wort vom ungeliebten mittleren Kind!). Mehr und mehr sind es dabei die Frauenfiguren, die mich faszinieren. Ich schrieb ja schon einmal, dass ich Christine Baranski (Diane) fantastisch finde. Zunehmend hat sich aber auch die toughe Kalinda einen Platz in meinem Serienherzen erkämpft. So bleibe ich also weiter dabei, erfreue mich an dem Wiedersehen mit Matt Czuchry (er wird für mich immer Logan aus den Gilmore Girls bleiben…), während ich – nun nicht mehr still und heimlich – die Ladys von Lockhart/Gardner auf mein persönliches Podest stelle.

Weiterempfehlung: Auch in der vierten Staffel The Good Wife erlebt der Zuschauer eine Alicia Florrick in Bestform. Wer diesem Anwaltsdrama nichts abgewinnen kann, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Anschauen!

Alicia, Diane und Kalinda – drei starke Frauen, die wissen, was sie wollen und in einer immer noch männerdominierten Welt ihren Weg gehen! Welche toughen Seriendamen haben Euch nachhaltig beeindruckt? Ich denke spontan natürlich noch an Olivia Dunham aus Fringe, aber es gibt so viele weitere…