Was heute Sheldon, Leonard, Howard und Raj sind und vor einigen Jahren Ted, Robin, Lily, Marshall und Barney waren, das waren in den 90ern und frühen 2000ern Joey, Phoebe, Chandler, Ross, Monica und Rachel. Ich habe es endlich getan und mich an eine der erfolgreichsten Comedyserien aller Zeiten gewagt: Friends! In Anbetracht der Tatsache, dass dieses Genre nicht zu meinen präferierten gehört, beginne ich die Sichtung von Comedyserien stets mit einem kritischen Blick. Schneller als bei jedem anderen Genre bin ich hier nämlich bereit, die Sichtung gandenlos auch nach wenigen Folgen wieder abzubrechen, wenn der dortige Humor mich nicht anspricht. Ob Friends eine Chance darauf hat, dass auch noch die weiteren neun (!) Staffeln über meinen Bildschirm flimmern? Das lest Ihr in dieser Besprechung (Yay, endlich mal wieder eine Review!).

Zum Inhalt

Die Freunde Joey (erfolgloser Schauspieler), Phoebe (Masseurin und Möchtegernmusikern), Monica (leidenschaftliche Köchin), Ross (nerdiger Paläontologe und Monicas Bruder) und Chandler (seinen Job hassender IT-Datenmanager) leben und arbeiten in New York und verbringen den Großteil ihrer Freizeit im Central Perk, einem gemütlichen Café. Zu Beginn der Serie treffen die fünf Freunde dort auf Rachel, die ein Brautkleid trägt und ihren Verlobten Barry gerade am Altar hat stehen lassen. Da Rachel und Monica alte Freundinnen sind – sie besuchten zusammen die High School – kommt Rachel bei Monica unter. Zunächst nur als Übergangslösung gedacht, zieht Rachel dort nach kurzer Zeit fest ein, bricht mit ihrem früheren Leben und nimmt einen Job als Kellnerin im Central Perks an. Auch im Leben der anderen Freunde ist einiges los: Während Ross‘ lesbische Exfrau ein Kind von ihm erwartet und er sich einen Affen als Haustier anschafft, kommt Chandler nicht von seiner Exfreundin Janice los; Joey hofft zeitweise als Al Pacinos Po-Double auf seinen großen Durchbruch und Monica hat eine Beziehung mit einem Minderjährigen. Am Ende der Staffel erblickt nicht nur ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt, sondern es wird auch ein großes Liebesgeheimnis gelüftet.

Beste Unterhaltung aus einem anderen Jahrzehnt

Friends ist eine der erfolgreichsten und auch heute noch beliebtesten Comedyserien aller Zeiten – und ich verstehe jetzt auch, warum. Die Geschichte rund um die fünf Freunde ist charmant: Sie ist abgedreht, aber gleichzeitig bodenständig; sie ist etwas fürs Herz und auch für die Lachmuskeln; und was ich am meisten mag: Sie ist so herrlich unperfekt. Von Beginn an hatte ich das Gefühl, hier einer echten Freundesclique zuzuschauen. Menschen, die sich schon lange kennen und sich so nehmen, wie sie sind. Menschen, die scheitern, die ihren Job manchmal hassen und schlechte Dates haben. Menschen wie du und ich, die nur das Glück haben, in einer coolen Stadt zu leben und lustige Dinge zu erleben. Bereits während der ersten Folge habe ich gedacht: „Man, das ist so viel lustiger als (fast) jede Comedyserie aus diesem Jahrzehnt.“ Ich kann noch nicht einmal sagen, was es genau ist, aber die Situationskomik zündet einfach immer. Vielleicht hat es etwas mit dem 90er-Charme zu tun, der dieser Serie einfach aus jeder Pore dringt. Wenn Ross am Ende der Staffel nach China fliegt und seiner Schwester mitteilt, er wäre nun eine Woche nicht zu erreichen, werde ich fast ein bisschen nostalgisch, weil das Leben vor gut zwanzig Jahren eben so war. Menschen fuhren weg und waren nicht zu erreichen. Punkt. Viele Witze entstehen tatsächlich gerade dadurch, dass irgendeiner der Clique ein Ereignis verpasst hat oder nicht informiert werden konnte. Das Leben der Freunde unterscheidet sich in diesem Punkt sehr von dem des Zuschauers im Jahr 2017. Ansonsten jedoch ist das Identifikationspotenzial mit den sympathischen New Yorkern groß, da sie die wichtigen Themen des Lebens exemplarisch für uns durchexerzieren (Liebe und Trennung, Geburt und Tod, Freundschaft, beruflicher Erfolg und beruflicher Frust).

Fazit

Die 24 Folgen der ersten Staffel Friends habe ich recht schnell geschaut und hatte dabei großen Spaß. Für mich ist Friends durch seine Thematik und auch durch die Länge der einzelnen Folgen (gute zwanzig Minuten) die perfekte Serie, um sich eine unterhaltsame Pause vom Alltag zu gönnen. Dabei bietet die Serie weit mehr als platte Unterhaltung: Schon in Staffel 1 entwickeln die Charaktere sich weiter, sodass wir es hier mitnichten mit einer klassischen Sitcom zu tun haben. Für mich als Dramaserienfan ist das wichtig, denn ich mag es, wenn mir eine fortlaufende Geschichte erzählt wird. Friends legt dafür in den ersten 24 Folgen einen sehr guten Grundstein.

Weiterempfehlung: Friends ist eine amerikanischen Comedyserie, die von 1994 bis 2004 in zehn Staffeln und 236 Folgen die Geschichte einer sympathischen New Yorker Freundesclique erzählt. Dabei setzt die Serie sowohl auf klassischen Sitcom-Elemente (Lacher), geht aber mit ihrer folgenübergreifenden Story deutlich darüber hinaus. Friends hat zu Recht Maßstäbe gesetzt, was den Comedybereich betrifft, und ausnahmslos alle Hauptdarsteller zu Stars gemacht. Auch heute, über zwanzig Jahre nach Erstausstrahlung, funktioniert Staffel 1 hervorragend und überzeugt mit Situationskomik, Wortwitz und ja, auch mit 90er-Charme. Ich jedenfalls werde Friends so schnell nicht von meiner Watchlist nehmen. Falls Ihr meinem Beispiel folgen wollt: Seit einigen Wochen gibt es alls zehn Staffeln auf Netflix! :-)

Eine Comedyserie, die mich so richtig überzeugt hat – dass wir das noch erleben! ;-) Habt Ihr Friends in den 90ern geschaut und den Hype mitgemacht oder seid ihr (so wie ich) ein bisschen spät dran mit diesem Klassiker? Und ist es nicht manchmal wirklich schön, mit einer TV-Serie einige Jahre in die Vergangenheit zu reisen? :-)