Jede Woche gibt es auf diesem Blog einen Beitrag in der Kategorie Seri(e)ös. Oft sind das Reviews einzelner Staffeln, die ich gerade beendet habe, vermehrt aber auch andere Beiträge, zum Beispiel über Serienfantypen, Serienintros oder erst vorletzte Woche einen Text über mein Blogmotto. TV-Serien sind ein reichhaltiges Thema und beinahe täglich kommen mir neue Beitragsideen, die mir einen Text wert erscheinen. Diese bekommen nun ihren festen Platz innerhalb der Seri(e)ös-Beiträge. Frei nach dem Motto „Aller guten Dinge sind drei“ wird diese Zahl der Aufhänger sein. Lasst Euch überraschen, was da auf Euch zukommt. ;-) Los geht es heute mit einem meiner liebsten Motive in Serien: Dem des Doppelgängers! Tatsächlich bekommt man mich mit Zwillingen, Klonen und Co. ja fast immer. So war es gar nicht so leicht, drei Serien zu diesem Thema auszuwählen. Aber natürlich habe ich auch diese Hürde genommen. Darum gibt es jetzt:

~ Drei Serien mit Doppelgängern ~

Das Doppelgängermotiv hat seinen Ursprung in der Romantik. Dort war es Jean Paul, der diesen Begriff prägte und damit auf die Angst vor dem Verlust der eigenen Identität aufmerksam machte. Auch heute gehört es noch zu den gerne gebrauchten Motiven in Literatur, Film und Fernsehen. Das an sich ist nun nichts Besonderes. Motive wiederholen sich. Besonders ist aber, wie gut und vielfältig sich mit dem Doppelgängermotiv spielen lässt; wie wandlungsfähig und variabel einsatzfähig es ist. Diese drei Serien nutzen es besonders geschickt:

~ Twin Peaks ~

In Twin Peaks lernen wir die Doppelgänger Laura, welche am Anfang der Serie ermordet aufgefunden wird, und ihre Cousine Maddy kennen. Maddy taucht das erste Mal in der vierten Folge der Serie  auf und ähnelt ihrer toten Cousine verblüffend. Der einzige Unterschied besteht in ihrer Haarfarbe (Laura war blond, Maddy ist braunhaarig). Aus figurenkonstellatorischer Sicht nimmt Maddy im Laufe der Zeit den durch Lauras Tod frei gewordenen Platz ein: Sie sieht aus wie Laura, lebt bei ihren Eltern und umgibt sich mit ihren Freunden Donna und James. Maddy füllt als Lauras Doppelgänger die durch ihren Tod entstandene Lücke. Aus diesem Grund sieht man beide auch nie zusammen, denn Lauras Tod ist erst der Grund für Maddys Reise nach Twin Peaks. Tragischerweise ereilt sie am Ende das gleiche Schicksal wie ihre Cousine, wenn der von BOB besessene Leland Palmer sie ermordet. Mit der Doppelgängerin Maddy wiederholen sich die Geschehnisse in der Serie. Aus dramaturgischer Sicht ist Maddys Ermordung durch Lauras Mörder nur folgerichtig. Erst dadurch wird sie völlig zu Lauras Doppelgängerin.

~ Fringe ~

Bei Fringe haben wir es mit einer anderen Ausgangssituation zu tun: Hier exisitieren Doppelgänger, weil es zwei parallele Universen gibt. Walter, Olivia, Astrid, Broyles, Nina, Lincoln, Charlie – fast alle Hauptfiguren werden im Laufe der Serie auch „auf der anderen Seite“ eingeführt. Lediglich Peter, der aus dem Paralleluniversum stammt und dessen Doppelgänger aus unserem Universum als Kind starb, erlebt der Zuschauer nicht in zwei Versionen. Die Doppelgänger in Fringe zeigen vor allem, wie sich unterschiedliche Lebensumstände in den Charakterzügen manifestieren (Olivia vs. Fauxlivia), wie sehr sich zwei Personen trotz gleicher Kindheitserlebnisse unterscheiden können (Lincoln vs. Alt-Lincoln) und dass es wichtig ist, welche Menschen wir in unserem Leben haben oder nicht (Walter/William Bell, die sich im alternativen Universum nie kennenlernten). Nur bei den beiden Astrids erleben wir, dass es auch genetische Unterschiede zwischen Doppelgängern geben kann (Alt-Astrid ist Autistin, Astrid nicht). Das Doppelgängermotiv dient in Fringe dazu, die Unterschiede zwischen den Universen und den Einfluss der Umwelt auf die Menschen herauszuarbeiten. Lebensumstände sind hier ein entscheidender Faktor bei der Charakterbildung. Gleichzeitig hilft es dabei, die einzelnen Figuren genauer zu charakterisieren: Gerade bei den Begegnungen der Doppelgänger  lassen sich durch die Kontrastierung wichtige Charakterzüge beider erkennen und gegenüberstellen.

~ Orphan Black ~

Anders als in Fringe, wo die Doppelgängerfrage auf der Existenz eines Paralleluniversums beruht, handelt es sich bei den Doppelgängern in Orphan Black um Klone. Die Serie wählt also keinen phantastischen, sondern einen biologisch-technischen Zugang zu diesem Thema. Obwohl eine Science-Fiction-Serie, kommt die Ausgansssituation in Orphan Black sehr realistisch daher: Jemand hat Gott gespielt und nun existiert eine unbekannte Anzahl von Frauen, die sich genetisch (und damit auch äußerlich) bis aufs Haar gleichen. Ausgangspunkt der Erzählung ist eine junge Frau namens Sarah Manning, die in einem Bahnhof Zeuge wird, wie eine Frau Selbstmord begeht, die ihr Zwilling hätte sein können. Sarah, auf der Flucht vor ihrem Freund und auch ansonsten eher gefangen in einem problembelasteten Leben, nimmt kurzerhand die Identität der Toten an. Was sie nicht ahnt, ist, dass Beth – die Tote – nicht ihr einziger Doppelgänger ist. Da gibt es noch Katja, Alison, Cosima, Helena, Rachel und wer weiß noch wie viele andere Klone. Zusammen mit Alison und Cosima versucht Sarah herauszufinden, wo sie und die anderen Klone herkommen. Eines verbindet nämlich alle: Sie sind Waisen und wissen nichts über ihre biologischen Eltern. Das Doppelgängermotiv ist in Orphan Black also nicht nur dazu da, Identitätsfragen zu erörtern, sondern es ist Ausgangspunkt und Basis der gesamten Story.

Weitere Serien mit Doppelgängern: ~ Heroes ~ How I Met Your Mother ~ Lost ~ The Vampire Diaries ~

Seid Ihr auch Fans des Doppelgängermotivs? Welche Serie mit Zwillingen, Klonen o.ä. ist Eure liebste? Und habt Ihr weitere Ideen für die Reihe „Drei Serien…“? Ich bin gespannt!