Ursprünglich sollte es letzte Woche einen Beitrag zum Gilmore Girls-Revival auf diesem Blog geben. Das hat nicht so wirklich gut funktioniert. Ich brauchte einfach noch ein wenig Zeit, um die Geschehnisse zu verdauen. So schrieb ich letztes Wochenende einen langen, einen seeeehr langen Beitrag inklusive Rückblick auf Staffel sieben. Fast 2000 Wörter sind dann aber doch etwas zu lang, sodass ich ihn überarbeitete und zwei Beiträge daraus machte. Somit ist dies nun mein dritter Anlauf, dem Gilmore Girls-Revival gerecht zu werden. Gut, dass ich beim Schreiben Ausdauer habe. Freut euch nun zunächst auf einen Rückblick auf Staffel sieben, in der letztlich die Grundsteine für die vier neuen Folgen gelegt werden. In ein paar Tagen gibt es dann Teil 2 mit der Review der aktuellen Folgen.

Holt euch also noch schnell einen Kaffee, bestellt chinesisch oder Pizza oder eine Kiste Donuts und dann brechen wir auch schon auf nach Stars Hollow!

* Der folgende Beitrag enthält Spoiler zur Gilmore Girls-Originalserie, insbesondere zu Staffel 7*

File:A small cup of coffee.JPG

(Quelle: Julius Schorzman (Own work) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons, Link zur Originaldatei)

2007

Nach sieben Staffeln ging eine Serie zu Ende, die Millionen von Mädchen und Frauen (und deutlich weniger Männern) viele Stunden voller großartiger Mutter-Tochter-Momente beschert hat. In diesen Staffeln ist so viel passiert, dass es schwer fällt, sie in wenigen Zeilen zusammenzufassen. Ich versuche es deshalb gar nicht erst. Stattdessen möchte ich mich auf Staffel sieben fokussieren, da diese die Ausgangssituation für die Revivalfolgen schafft.

Es ist Rorys letztes Jahr in Yale und so beschäftigt sie sich viel mit dem Thema Zukunft. Auch Logan spielt dabei eine wichtige Rolle. Währenddessen lässt Lorelai sich auf eine Beziehung mit Christopher ein und Lane und Zack erwarten Zwillinge. Emily und Richard werden durch Richards Herzinfarkt aus ihrer Routine gerissen und müssen ihr Leben umstellen.

Staffel sieben ist anders als die vorangegangenen Staffeln, auch wenn die Unterschiede manchmal minimal sind. Damals sind sie mir tatsächlich gar nicht so sehr aufgefallen, aber im Rewatch Jahre später sind sie kaum noch zu leugnen. Was für einen krassen Unterschied es macht, wenn der Showrunner wechselt, war selten offensichtlicher. David S. Rosenthal hat sicher sein Bestes gegeben und auch Vieles richtig gemacht. Aber ich werde das Gefühl nicht los, die Staffel hätte unter Amy Sherman-Palladino und Daniel Palladino höchstwahrscheinlich einen anderen Verlauf genommen.

Beispiele für Veränderungen in Staffel sieben gegenüber früheren Staffeln gefällig?

Gab es in den ersten sechs Staffeln gefühlt jede Folge mindestens ein Freitagsessen bei den Gilmores, tauchen Emily und Richard in Staffel sieben in mehreren Folgen überhaupt nicht auf. Das mühsam aufgebaute Familienkonstrukt sehen wir deutlich seltener als früher. Lane und Zack, die sich endlich gefunden haben und nun die Welt rocken könnten (Hep Alien!), müssen stattdessen in Stars Hollow bleiben und in ihren Jobs weiterarbeiten, weil Lane überraschend und ungewollt mit Zwillingen schwanger wird. Lorelai, die willensstarke Lorelai, die so weit gekommen ist in ihrem Leben, lässt sich von Christopher, der sie jahrelang mit Rory allein gelassen hat, zu einer überstürzten Hochzeit überreden, um in den darauffolgenden Folgen zusammen mit ihm einen Spießrutenlauf durch ihr geliebtes Stars Hollow zu absolvieren. Rory, die immer alles erreicht hat, die hart gearbeitet hat und dem Zuschauer zeigen sollte, dass man seine Träume wahr werden lassen kann, wenn man sich anstrengt, bekommt ihren Traumjob nicht. Rory, die Logan über alles liebt, lehnt seinen Heiratsantrag ab und steht nach ihrem Abschluss zunächst als jobloser Single da.

Erkennt ihr die Veränderungen? Die Gilmore Girls, die immer wussten, wo sie hinwollen, kommen – selbstverschuldet! – von ihren geplanten und vorgezeichneten Wegen ab. Wo sind z. B. Rorys Pro- und Contralisten, wenn sie ihre Lebensentscheidungen trifft? Wo ist Lorelais Rationalität in Bezug auf Männer, als sie Christopher heiratet? Warum darf Lane, die so sehr für ihren alternativen Lebensstil gekämpft hat, nicht auf Tournee gehen? Was haben Emily und Richard verbrochen, dass man uns die unterhaltsamen Dinners vorenthält? All diese Fragen schießen mir durch den Kopf, wenn ich mir im Jahre 2016 Staffel sieben anschaue. Die Serie funktioniert immer noch, klar. Stars Hollow ist charmant und die Sprüche sind flott, aber Vieles fühlt sich schlicht falsch an. Das Staffelfinale (…denn inzwischen ist es ja nicht mehr das Ende der Serie…) entschädigt ein bisschen, denn es wird zumindest der größte Fehler ausgemerzt (Stichwort: Luke), aber ob sich Wahlkampfreporterin nun logisch als erster Job für Rory ergibt – naja. Es ist ein Job, der sie von ihrer Mutter und ihrer Heimat für Jahre entführt. Einiges wäre konsequenter gewesen, selbst ein Job im Huntzberger-Imperium. Eines tut dieses Ende jedoch auf jeden Fall: Es stößt die Tür weit auf, um Rorys Storyline im Revival in die verschiedensten Richtungen zu führen.

Wohin genau? Das wird Teil der Review zu A Year in the Life sein, die ihr hier in einigen Tagen lesen könnt.

Habt ihr die Veränderungen der Charaktere und ihrer Entscheidungen in Staffel sieben auch bemerkt – damals oder heute? Oder bilde ich mir das nur ein? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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