The end is where it begins.

Broadchurch hätte eine klassische Miniserie werden können: acht extrem spannende Folgen und am Ende steht eine unerwartete Auflösung. Auch eine Anthologieserie wäre möglich gewesen, mit oder ohne David Tennant in den weiteren Staffeln. Hier sind viele Varianten denkbar. Allerdings entschied man sich bei ITV dafür, eine zweite Staffel zu produzieren, die auf der ersten inhaltlich aufbaut. Ob das so eine kluge Entscheidung war, wo doch am Ende von Staffel eins eigentlich alles geklärt, alles gesagt ist?

Der restliche Beitrag enthält Spoiler zur besprochenen sowie vorherigen Staffeln!

File:East Cliff at West Bay - geograph.org.uk - 394704.jpg
West Bay, Dorset. Kliff und Strand boten die Kulisse für die Mordszene an Danny Latimer in Staffel eins.
(Quelle: Malcolm Etherington [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons, Link zur Originaldatei)

Was geklärt ist: Wer Danny Latimer wann und wie umbrachte. Dennoch wird dieser Handlungsstrang in Staffel zwei fortgeführt: Joe Miller ist in Haft und nun soll ihm der Prozess gemacht werden. Eigentlich eine klare Sache: Er ist geständig und wurde aufgrund verschiedener Beweise und Zeugenaussagen überführt. Nur ist er jetzt nicht mehr bereit, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und plädiert darauf, unschuldig zu sein. Das Gerichtsverfahren wird dadurch für alle Beteiligten, insesondere für die Latimers und Joes (Noch-)Ehefrau Ellie, zu einer Zerreißprobe mit ungewissem Ausgang.

Nun bietet dieser Handlungsstrang wenig neue Informationen; er rollt eher Altbekanntes wieder auf und versucht, in Staffel eins als Fakten dargestellte Ereignisse in einem neuen und zweifelhaften Licht erscheinen und so eventuell doch noch Zweiel an Joe Millers Schuld aufkommen zu lassen. Darauf allein lässt sich allerdings keine ganze Staffel aufbauen – vor allen Dingen keine einer Krimiserie, in welcher der Zuschauer erwartet, an der Lösung eines Falls teilzuhaben. Wie gut, dass bereits in Staffel eins angedeutet wurde, wie sehr Hardy noch immer darunter leidet, den Sandbrook-Mordfall (Tod eines Mädchens und Verschwinden ihrer Babysitterin) vor einigen Jahren nicht gelöst zu haben. So können er und Ellie sich nun diesen Ermittlungen widmen, wenn sie nicht gerade im Gerichtssaal sitzen. Im Zentrum steht dabei das Ehepaar Ashworth: Er ein ehemaliger dringend Tatverdächtiger, von dessen Unschuld Hardy nie überzeugt war, sie eine wichtige Zeugin, die ihren Mann belastet hat und seitdem von Hardy vor diesem versteckt wird. Als Lee Ashworth nach Jahren im Ausland zurückkehrt und in Broadchurch auftaucht, ist der Zeitpunkt gekommen, den Fall noch einmal komplett aufzuarbeiten.

Als großer David Tennant-Fan – ehrlich mal, er war einfach ein großartiger Doktor! – war es für mich klar, dass auch die zweite Staffel Broadchurch auf meinen Bildschirm wandern musste. Hinzu kommt, dass Staffel eins mich mit einer starken Geschichte wirklich überzeugt hat und ich sehen wollte, ob Staffel zwei daran anknüpfen kann, ohne an Niveau zu verlieren. Und leider kann  sie das nicht. Für mich krankt diese Staffel vor allem an Handlungsstrang eins: dem Joe Miller-Prozess. Ich verstehe seine Intention: Man möchte zeigen, dass das Justizsystem nicht unfehlbar ist, dass dort Fehler gemacht werden und Unschuldige verurteilt werden können. Leider funktioniert das aber mit einem Angeklagten, der geständig und aufgrund erdrückender Beweise überführt wurde nicht. Joe Miller bekennt sich nicht schuldig, weil er Panik bekommt und nicht ins Gefängnis will und eben nicht, weil er wirklich unschuldig ist. Der ganze Zirkus, der im Gerichtssaal veranstaltet wird, hat mich als Zuschauer keinen einzigen Moment an Joe Millers Schuld zweifeln lassen. Dass er am Ende freigesprochen wurde, hat wohl einzig und allein dramaturgische Gründe und keine logischen. Ich konnte es nicht nachvollziehen.

Auch der Sandbrook-Handlungsstrang hat ein paar Schwächen, ist aber definitiv der spannendere der beiden. Gerade den Ashworths glaubt man beiden bereits nach kurzer Zeit nicht mehr und es ist nur folgerichtig, dass Hardy und Ellie sich auf diese neuen Entwicklungen stürzen. Trotzdem entwickelt dieser Fall niemals die Sogwirkung wie die Ermittlungen im Latimer-Fall in Staffel eins, wo ich gebannt vor dem TV saß und manchmal nicht glauben konnte, was da gerade passiert.

Insgesamt war es keine kluge Entscheidung, Staffel zwei inhaltlich auf Staffel eins aufbauen zu lassen. Gerade der Prozess-Handlungsstrang dreht sich sehr um sich selbst und ist – böse gesagt – nur ein Aufwärmen von Staffel eins. Es wäre spannender gewesen, wäre ein neues Verbrechen in Broadchurch geschehen oder man hätte Handlungsstrang zwei – den Sandbrook-Fall – größer und komplexer aufgezogen. Über Staffel drei ist inhaltlich noch nichts bekannt, nur dass es die letzte Staffel sein wird. Ich werde sie mir anschauen, um die Geschichte zu einem Ende zu bringen und weil ich David Tennant gerne sehe. Hoffentlich erinnern sich die Macher an Staffel eins und bieten zum Abschluss der Reihe noch einmal einen spannenden neuen (!) Fall für das starke Duo Hardy/Miller und keinen Gerichtsprozess für die Ashworths oder weitere Rückblicke.

Weiterempfehlung: Broadchurch ist eine auf drei Staffeln angelegte britische Krimi-/Dramaserie mit einem starken Ermittlerduo und einer extrem spannenden ersten Staffel. Staffel zwei kann dieses hohe Niveau leider nicht halten.

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