Ein buntes Programm ist das heute, das ich für euch zusammengestellt habe. Ihr hört richtig: Ich habe mich erbarmt, mal wieder ein paar Serienstaffeln zu schauen und euch davon zu berichten. Bitte sehr, gern geschehen. Von echten Köchen und falschen Toten bis zu liebenswürdigen Klonen, verurteilten Mördern, einem Möchtegern-Messias und menschlichen Atombomben – dieses Mal ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.

(Spoiler sind zu erwarten!)

Chef’s Table (Staffel 2): Erwähnte ich mal, dass ich einen Koch zu Hause habe? Ich habe einen Koch zu Hause. Gelegentlich, nicht allzu oft, kommen wir dazu, gemeinsam fernzusehen. Die Netflixdoku Chef’s Table hat uns bereits in Staffel 1 überzeugt und auch Staffel 2 steht dieser in nichts nach. Im Zentrum jeder Folge steht ein Spitzenkoch (m/w) mit seinem Restaurant und der oftmals ganz eigenen Philosophie, welche dieser dort verfolgt. Die Doku schafft es dabei, durch tolle Bilder und interessante Geschichten sowohl mich als Kochlaien als auch meine bessere Hälfte als ambitionierten Profi zu unterhalten. Besonders gelungen ist direkt die erste Folge der zweiten Staffel, die den Amerikaner Grant Achatz und sein Restaurant Alinea in Chicago porträtiert. Die Lebensgeschichte dieses Mannes ist fesselnd, was er in seinem Restaurant anbietet einfach nur atemberaubend. Falls ich irgendwann mal reich sein sollte, dann will ich dort essen gehen.

Gucklistenstatus: Im Herbst soll Staffel 3 mit Folgen ausschließlich über französische Köche veröffentlicht werden. Staffel 4 folgt 2017, dann auch erstmals mit deutscher Beteiligung (Tim Raue). Der Herr Koch und ich freuen uns schon.

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Heroes (Staffel 1): Gelegentlich, nicht allzu oft, kommen der Herr Koch und ich dazu, gemeinsam fernzusehen (s. o.). Nicht immer habe ich dann Lust auf Kochdokus. So haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, stets eine Serie gemeinsam zu schauen. Nach The 4400 (s. u.) sind wir nun bei Heroes gelandet. Gefühlt steht Heroes schon seit 1312 auf meiner Guckliste. Es wurde also langsam mal Zeit. Nachdem ich von vielerlei Seiten schon vorab damit konfrontiert wurde, dass Staffel 2, 3 und 4 der Serie eher … nun … gewöhnungsbedürftig seien, konnte man in Staffel 1 noch nichts davon merken. Jede Menge sympathische Figuren mit außergewöhnlichen Fähigkeiten müssen in ihrem normalen Leben zurechtkommen und gleichzeit aufpassen, nicht von einem fiesen Massenmörder das Gehirn gegrillt zu bekommen. Ach so, und eine drohende Atomexplosion in NY schwebt auch noch wie ein Damoklesschwert über ihnen.

Gucklistenstatus: Bislang macht auch Staffel 2 Freude. Bin gespannt, ob der Qualitätsabsturz schleichend oder plötzlich eintreten wird. Es wird weiter geschaut.

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Orphan Black (Staffel 3): Wie habe ich mich gefreut, als Staffel 3 auf Netflix verfügbar war. Endlich wieder Klon-Zeit, endlich wieder Sestra-Zeit! Inzwischen – so gebe ich zu – interessiert mich dieses große wissenschaftliche Projekt hinter den Klonen gar nicht mehr so sehr. Mich interessiert, wie es Sarah, Helena, Alison, Cosima und Co. ergeht. Ich stehe auch ein bisschen auf Kriegsfuß mit den Proletarier-Klonen. Von Anfang an fand ich die männlichen Klone irgendwie abstoßend. Und das hat jetzt nicht mal unbedingt etwas mit ihrem Verhalten zu tun, denn letztlich sind sie natürlich v. a. das Produkt ihres Umfeldes und ihrer Erziehung. Richtig beschreiben kann ich es gar nicht, sie lösen einfach ein Gefühl des Unwohlseins bei mir aus – und zwar keines, dass Spannung aufbaut, sondern eines, das mich wünschen lässt, diese Gruppe und der ganze Handlungsstrang um die Proletarier wäre niemals eingeführt worden. Ihr seht: Gefühlchaos total. Denn die Sestras gibt es inzwischen eben nur noch im Doppelpack mit ihren wie-auch-immer-verwandten-Klonbrüdern.

Gucklistenstatus: Fesselt immer noch genug, um auch Staffel 4 anzuschauen. Trotzdem ein paar Abzüge in der B-Note.

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Rectify (Staffel 1): War er nur zur falschen Zeit am falschen Ort oder hat er es getan? Daniel Holden wird mit 18 Jahren wegen Mordes zum Tode verurteilt. 19 Jahre später kommt er überraschend frei und findet sich in einer Welt wieder, die er nicht mehr wiedererkennt und die keinen Platz für einen wie ihn zu bieten scheint. Seine Famile: Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihm zu helfen und der Notwendigkeit, ihr eigenes Leben und ihren gesellschaftlichen Status nicht zu verlieren. Das sind die Fakten. Rectify ist das, was ich eine „leise Serie“ nenne. Eine, die viel auf Bilder und Metaphern setzt, die auch mal den Mut hat, Szenen unkommentiert stehen zu lassen und den Zuschauer bisweilen nachdenklich zurücklässt. Starke Handlung, überragender Hauptdarsteller (Aden Young).

Gucklistenstatus: Ich konnte nicht herausfinden, ob die weiteren Staffeln in Deutschland überhaupt schon im Free-TV gezeigt wurden. Die Rechte liegen bei Arte. Auch Netflix zeigt bislang lediglich Staffel 1, die mich nach einem üblen Cliffhanger nun etwas verloren zurücklässt. Gerne verfolge ich die Geschichte um Daniel Holden zu einem späteren Zeitpunkt weiter.

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The 4400 – die Rückkehrer (Staffel 2 bis 4): Bevor der Herr Koch und ich uns Heroes zuwandten, war The 4400 die Serie unserer Wahl. Über Staffel 1 schrieb ich bereits an anderer Stelle und konnte mich damals nicht so richtig für die Serie erwärmen. Etwas Nettes für zwischendurch, nicht mehr, nicht weniger. In den folgenden Staffeln hat sich das etwas gebessert: Die Figuren bekamen mehr Kontur, man erfuhr einiges über die „Mission“ der Rückkehrer, es gab ab und an überraschende Wendungen. Zunehmend lustig fand ich den (nicht nur optischen) Wandel von Jordan Collier zu einer Art Jesus-für-Arme. Insgesamt drei ganz ordentliche Staffeln, mit denen der Herr Koch und ich schöne Abende hatten. Ja, so kann man das sagen.

Gucklistenstatus: Leider wurde die Serie nach Staffel 4 recht kurzfristig abgesetzt; kein Handlungsstrang ist zu Ende erzählt, das Mysterium um die Rückkehrer bleibt ungelöst. Das ist ein Makel, den dieser Serie niemand nehmen kann und der uns sehr gestört hat. Hätten wir das am Anfang gewusst, wir hätten wohl nicht damit angefangen. Schade.

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The Returned (Les Revenants) (Staffel 1): Wo wir gerade beim Thema sind… In einem kleinen französischen Dorf kehren plötzlich Menschen zu ihren Familien zurück, die bereits vor Jahren, teilweise Jahrzehnten verstorben sind. Das löst Angst aus bei allen Beteiligten, aber auch Freude und Verwirrung. Und wie das so ist auf dem Dorf: Die Rückkehr bleibt nicht lange geheim, v. a. weil nun auch seltsame Dinge im Dorf geschehen. Ich gebe zu: Ich fand die Serie ziemlich gruselig. Es ist einfach ein unvorstellbares Konzept, diese Art der Auferstehung. Mindestens genauso irritierend war für mich der Handlungsstrang rund um den Stausee, der auf einmal immer mehr Wasser einbüßte, wofür es keine rationale Erklärung gab. Alles sehr mysteriös, aber sehr rund, sehr stringent erzählt und packend.

Gucklistenstatus: Ich habe mich wirklich gegruselt, gerade in der letzten Folge. Ich hoffe, ich bin mutig genug, um weiterzuschauen. Irgendwann…

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…und demnächst?

Neben Heroes versuche ich mich momentan nach langer Abstinenz mal wieder an einer Staffel Six Feet Under (Staffel 4). Die Fishers sind eine solch grandiose Serienfamilie, dass es mir nicht richtig erscheint, ihre Geschichte nicht bis zum Ende verfolgt zu haben. So richtig drin bin ich aber noch nicht wieder, vielleicht war die Pause doch etwas zu lang (gute anderthalb Jahre). Außerdem schaue ich aktuell noch Quantico (ProSieben, mittwochs 20.15 Uhr). Letzte Woche war ich noch nicht überzeugt davon, aber gestern Abend fühlte ich mich überraschend gut unterhalten. Ansonsten schiebe ich ab und an gerne noch eine Folge Gilmore Girls ein. Dort befinde ich mich z. Z. in Staffel 6. Das ist auch so eine Serie, die man einfach nicht oft genug schauen kann.

Welche Serie steht bei euch momentan hoch im Kurs? Verfolgt ihr noch Serien im TV oder seid ihr schon komplett auf Streaming/DVD/Blu-Ray umgestiegen? Und habt ihr auch Serien, die ihr einfach immer (wieder) schauen könnt?

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