Den letzten Einblick ist das hocherfreuliche Referendarsleben gab es ja schon im Januar, wie ich mit Schrecken festgestellt habe. Gebt es doch zu: Ihr wartet brennend auf neue Geschichten aus der Anstalt Schule!

Nicht?

Ach so.

Pech gehabt, kriegt ihr jetzt trotzdem.

Neues aus der Schule

  • Das Schuljahr 2015/16 ist in Niedersachsenzum Glück extrem kurz. Ich bin echt ferienreif. Wir haben zwar erst im September begonnen, bekommen aber am 23.06. schon Sommerferien (Wie ich am letzten Schultag feiern werde! Das habt ihr noch nicht gesehen!). Dementsprechend geistern bereits Listen durchs Kollegium bezüglich der Wünsche für die Lehrverteilung im neuen Schuljahr (also wer gerne welche Klassenstufen in welchem Fach hätte). Ich weiß bislang nur, dass ich meine jetzige 8., dann 9. Klasse in Spanisch abgeben werde. Im nächsten Schuljahr geht es für sie zum Austausch und dann ist es sinnvoll, dass dort eine Lehrkraft unterrichtet, welche diesen mitorganisiert und auch mitfährt. Ob ich eine andere Spanischklasse bekomme, steht noch nicht fest. Wenn ja, dann vermutlich wieder eine in Jahrgang 8. Eventuell bekomme ich aber auch eine Klasse in Deutsch, weil ich ja dieses Schuljahr keine hatte. Es wurde schon mal vorsichtig angefragt, was ich von einer 10. Klasse halten würde. Davon halte ich ähm…eher wenig, aber was soll man dazu sagen? Zehnte Klasse, das ist fast schon Oberstufe. Da ist es nicht mit Themen wie Wortartenbestimmung, freier Erörterung oder Inhaltsangabe getan, da kommen die richtig üblen Brocken auf den Tisch (Sachtextanalyse, textgebundene Erörterung, Gedichtinterpretation, Dramenanalyse, Erzähltextanalyse, …). Da haben die Schüler dementsprechend kein Lehrbuch mehr, da muss man als Lehrer die einzelnen Unterrichtssequenzen irgendwie selbst zusammenbasteln, was ich in Deutsch echt gar nicht so leicht ist. Falls ich die 10. Klasse bekomme, hoffe ich, dass es dabei bleibt und ich in Spanisch leer ausgehe. Ansonsten müsste ich in meinem Prüfungshalbjahr zwei eigene Lerngruppen die ganze Zeit bespaßen, während ich für meinen Prüfungsunterricht quasi nebenbei noch zwei weitere Lerngruppen drille unterrichte. Denn im PU könnte ich meine eigenen Lerngruppen vermutlich nicht zeigen. Das wären dann irgendwas zwischen 15 und 18 Wochenstunden, während ich weiterhin natürlich nur für zehn Stunden bezahlt werde. Eine volle Stelle sind übrigens 23,5 Stunden, was ich als glatten Selbstmord bezeichnen und niemals freiwillig unterrichten würde. Ich werde berichten, mit wem ich die Ehre habe nächstes Schuljahr.

Neues aus dem Unterricht

  • Unterricht? Findet zumindest in meiner 8. Klasse eigentlich nicht mehr statt. Erst waren im Februar/März alle 8. Klassen nacheinander eine Woche im Harz (mein Kurs besteht aus SchülerInnen aus drei Klassen = -12 Stunden.). Dann gab es ein Theaterprojekt (= -2 Stunden), es war Himmelfahrt (= -2 Stunden), Pfingsten (= -2 Stunden), Sportturnier (= -1 Stunde) und nun haben die Herrschaften geschlagene sechs (!) Tage Berufsorientierung. In Klasse 8. Auf dem Gymnasium. Geht’s noch? -4 weitere Stunden. Erwähnte ich, dass wir den Stoff dieses Schuljahres nicht schaffen werden? Wir werden ihn nicht schaffen. Ich weiß echt nicht, woran das liegt.
  • Die Kleinen in der Unterstufe habe ich wirklich gern. Ich mochte die 5. Klasse, die ich Anfang des Schuljahres in Deutsch unterrichtet habe, ja schon sehr. Seit den Osterferien habe ich nun eine 6. Klasse in Spanisch unterrichtet und diese ebenso in mein Herz geschlossen. In den Unterrichtsbesuchen waren sie allesamt toll, auch und besonders im großen Besuch, den ich hoffnungslos erkältet, aber – zwei Paracetamol zum Frühstück sei dank – doch zufriedenstellend hinter mich gebracht habe. Ich liebäugele deshalb damit, diese Gruppe nächstes Schuljahr im PU zu zeigen. Jetzt hoffe ich, dass sie bis dahin die lieben Kleinen bleiben und sich nicht im Sommer in pubertäre Monster verwandeln…

Neues aus dem Lehrerzimmer

  • Sprechprüfungen sind ja momentan der heißeste Scheiß in den Fremdsprachen, wenn ich das mal so salopp sagen darf. In jedem Doppeljahrgang wird nun per Erlass – hier gibt es für alles einen Erlass, es ist wahrlich grotesk – eine Klassenarbeit durch eine Sprechprüfung ersetzt. Und das geht so: Es werden Schülerpaare gebildet (Doppelprüfung). Beide erzählen in der Prüfung einzeln in einem kleinen Monolog etwas über sich, der Lehrer kann weitere kurze Fragen stellen. Dann müssen beide zusammen sich über irgendein Problem unterhalten und sich auf eine Lösung einigen. Zum Schluss bekommt jeder ein Bild hingeklatscht, zu dem er oder sie etwas erzählen muss. Ich weiß nach wie vor nicht, ob ich diese Prüfungen sinnvoll finden soll. Nächste Woche muss ich in Spanisch, Klasse 7 den ganzen Vormittag bei den Prüfungen protokollieren, danach kann ich vermutlich mehr dazu sagen. Nun gut, in Klasse 8, Englisch, waren die Prüfungen schon diese Woche und eines der möglichen Themen für die Bildbeschreibung war „Vorbilder“. Am Tag der Prüfungen vor der ersten Stunde kommt eine Englischlehrerin an unseren kleinen Referendarstisch und hält uns laminierte Bilder von Sportlern unter die Nase: „Kennt ihr die? Wie heißen die denn? Die Fotos sind für eine Mädelsprüfung und die wissen bestimmt nicht, wie die heißen. Das ist ja dann peinlich, wenn sie nachfragen und ich es auch nicht weiß.“ :-D Es waren übrigens Philipp Lahm („Das ist Schweinsteiger, oder?“), Sebastian Vettel, Thomas Müller und irgendein stark tätowierter Fußballer, den ich auch nicht kannte. Hier kannste was erleben…

Neues aus dem Studienseminar

  • Im zweiten Ausbildungssemester steht die schriftliche Arbeit, früher auch Examensarbeit genannt, an, welche doppelt in die Ausbildungsnote zählt. Diese muss bis zum Ende des 12. Ausbildungsmonats vorliegen. Und zwar auf den Tag genau (25.08.). Gefühlt ist diese schriftliche Arbeit vor allem eines: Ein nicht enden wollender Verwaltungsakt. Da muss 1. ein Exposé ausgefüllt werden, bevor 2. ein Beratungsgespräch mit dem betreuenden Fachleiter stattfindet. Danach können 3. ein Formular zum Themenvorschlag, unterschrieben vom Fachleiter und meiner Wenigkeit sowie 4. ein Aktenvermerk, unterschrieben wiederum vom Fachleiter und meiner Wenigkeit, im Seminar eingereicht werden. Wenig später bekommt man dann 5. ein Formular zurück, unterschrieben von der Seminarleitung, wo sowohl Thema als auch Abgabedatum draufstehen. Nicht, dass ich ersteres nicht selbst formuliert hätte und letzteres nicht für alle der gleiche Termin wäre, aber sei es drum. Da es sich um eine praktische Arbeit handelt, für die man etwas im Unterricht durchführt/ausprobiert, muss der Fachleiter wiederum auch in den entsprechenden Stunden mindestens einmal vorbeikommen, egal, ob dies sinnvoll ist oder nicht. Als Unterrichtsbesuch gezählt wird dieser Besuch selbstredend nicht, was ich eine Schweinerei hoch 15 finde. Apropos 15: Die Arbeit darf die Seitenanzahl von 15 nicht überschreiten. 100 Seiten Anhang wiederum sind völlig okay. Ach so, und fachwissenschaftlich soll die Arbeit auch nicht sein, sondern „praktisch“, was auch immer das heißt. „Reflexion“ des Durchgeführten wäre ganz wichtig, wurde uns in der Infoverantaltung zur Arbeit gesagt. Ach ja, eine eigene Infoveranstaltung dazu gab es auch noch, das habe ich ganz vergessen zu erwähnen. Mir ist leider nach wie vor nicht richtig klar, was ich in dieser Arbeit schreiben soll. Ich habe etwas im Unterricht durchgeführt. Das werde ich dann mal reflektieren. Und mich natürlich, als Lehrperson, Lernbegleiter oder wie auch immer man Lehrer heute nennen will. Ohne hier jemandem zu Nahe treten zu wollen: Sowas nenne ich eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ohne Sinn und Verstand. Da ich ja keinerlei Notenambitionen hege, besteht mein Ziel darin, nicht mehr als eine Woche der Sommerferien damit verschwenden zu müssen. Der Countdown läuft…

Wer nochmal nachlesen will, was ich bereits erlebt habe, schaut am besten hier vorbei:

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