Wie ich immer wieder feststellen muss, gehöre ich zu einer austerbenden Sorte Mensch. Denn ich tue nach wie vor etwas, das viele meiner Generation in den letzten Jahren vollständig aufgegeben haben: Ich schaue mir TV-Serien im TV an. Ich könnte dies damit begründen, dass ich ja schließlich auch Gebühren zahle – leider finden sich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dann aber doch eher wenige Sendungen, die mich ansprechen. Klar, die dritte Staffel Sherlock auf ARD an Himmelfahrt bzw. Pfingsten war nett (wobei ich nicht verstehen kann, warum das nicht um 20.15 Uhr gesendet wurde, aber gut). Auch Orphan Black auf zdfneo hat mir gut gefallen (freitags um 22.00 Uhr – zum Glück bin ich kein partywütiger Teenie mehr…). Das war’s dann aber auch schon. Auch wenn ich ebenfalls kein großer Fan des Privatfernsehens mit seinen Scripted Reality-Nachmittagen, semi-seriösen Reportagen und Nachrichtensendungen, die Boulevard-Magazinen gleichen, bin – im Bereich Serien haben sie immer noch die Nase vorn.

Was ich daran mag, Serien im TV zu verfolgen, ist die Regelmäßigkeit. Ich bin ein Gewohnheitstier, was sich auf alle Lebensbereiche auswirkt und eben auch auf meinen Medienkonsum. Es ist einfach schön, jede Woche am selben Tag zur selben Zeit dieselbe Serie zu schauen. Jahrelang etwa war der Mittwoch bei mir (und vermutlich Millionen anderer deutscher Frauen) Grey’s Anatomy/Private Practice-Tag. Da hatte man eine feste Verabredung mit seinem Fernseher; eine, auf die man sich eine Woche lang freute und die einen durch den Mittwoch trug. Egal wie nervig der Tag auch war: Am Abend bekam man die Belohnung in Form einer neuen Folge seiner Lieblingsserie. In Erinnerung an diese glorreichen Zeiten bin ich noch nicht bereit, das Medium TV mit seinen festen Ausstrahlungszeiten gänzlich aufzugeben.

Klar, das Programm gibt lange nicht jeden Abend eine interessante Serie her (schon gar nicht OmU!), anderweitige Quellen sind unerlässlich und werden auch von mir gerne und viel genutzt. Gerade die Mitt-Zwanziger – zu denen ich mich auch rechne, aber wohl kein typisches Exemplar eines solchen bin – sind ja immer superbeschäftigt, superspontan, superflexibel und auch viel zu cool, um abends fernzusehen. Dennoch: Wer sich Ausstrahlungen von TV-Serien im TV nicht anguckt, darf sich hinterher auch nicht darüber beschweren, dass es ja keine guten TV-Serien im deutschen TV gibt. Die Öffentlich-Rechtlichen könnten es sich leisten, haben aber nicht den Mut, solche einzukaufen und auszustrahlen; die Privaten tun es nur, wenn es sich finanziell rechnet (sprich: die Quote stimmt), möglichst von Anfang an. Tut es das nicht, landen Serien auf einem nächtlichen Sendeplatz (z.B. letztes Jahr die erste Staffel von The Following bei RTL), werden am Stück versendet (so etwa die letzten Folgen der ersten Staffel House of Cards bei Sat.1), auf Spartenkanäle verschoben (so hat z.B. ProSieben The Vampire Diaries schon vor einigen Jahren zu sixx verlegt) oder gnadenlos ohne Vorankündigung aus dem Programm gekickt (eine für mich sehr schmerzliches Erfahrung, was da dem großartigen Suits bei VOX passiert ist).

Ich plädiere somit für einen reflektierten Umgang mit dem Medium Fernsehen und für ein bisschen mehr Durchhaltevermögen. Ist es wirklich so schwer, sich immer dienstags um 21.15 Uhr oder wann auch immer Platz in seinem Kalender zu schaffen für eine Serie, die man mag? Zeugt das nicht gerade davon, wie sehr man diese Serie schätzt? Indem man ihr einen festen Platz in seinem vollgeproppten Leben einräumt? Und wenn man doch mal verhindert sein sollte, hat man normalerweise immer noch eine Woche Zeit, sich die Folge auf der Internetseite des entsprechenden Senders legal und kostenlos anzuschauen. Meinen eigenen Beitrag dazu leiste ich momentan immer montags und mittwochs. Tut auch gar nicht weh.

Montags zeigt VOX nämlich seit einigen Wochen die US-Serie Chicago Fire. Im Mittelpunkt stehen die Feuerwehrmänner und Sanitäter(innen) des Fire-Department 51 in Chicago. Neben den Einsätzen, welche diese zu bewältigen haben, geht es in der Serie v.a. auch um die privaten Probleme jedes einzelnen (Schulden, Trennung, Krankheit – was man so erwarten kann) und auch darum, welchen Gefahren und welchem psychischen Druck Feuerwehrmänner ausgesetzt sind. Insgesamt reißt mich die Serie nicht vom Hocker, aber für den Montagabend ist sie allemal in Ordnung. Männer können sich an den großen Feuerwehrautos, der Technik und den Einsätzen erfreuen, Frauen am Anblick von Taylor Kinney (Erinnert sich noch jemand an dessen Rolle als Mason Lockwood in The Vampire Diaries? Musste mehrere Montage darüber nachdenken, woher er mir bekannt vorkam…) und Jesse Spencer. Und das sage ich jetzt ganz ohne Geschlechterklischees im Hinterkopf: Meine Schwester ist nämlich bei der Freiwilligen Feuerwehr und interressiert sich in der Serie ebenso eher für die Männer als die Autos. :-)

Chicago Fire, Staffel 1: immer montags um 20.15 Uhr auf VOX (Doppelfolgen)

Das Kontrastprogramm dazu gibt es dann am Mittwoch – und zwar auf Super RTL, einem Sender, den ich ja wirklich nie einschalte. Dort läuft aber die in den USA extrem erfolgreiche Teenie-Serie Pretty Little Liars, auf die ich schon länger neugierig bin. Die vier Freundinnen Aria, Hanna, Emily und Spencer werden darin nach dem mysteriösen Tod ihrer Freundin Alison von einer unbekannten Person mit dem Pseudonym „A“ terrorisiert. „A“ scheint alle Geheimnisse der Mädels zu kennen, was sie oder er gnadenlos dazu ausnutzt, die vier zu erpressen oder Spielchen mit ihnen zu spielen. Ähnlich wie auch Chicago Fire reißt mich die Serie nicht zu Begeisterungsstürmen hin – allerdings muss man anmerken, dass die Rätseleien um die Existenz von „A“ schon interessant und dramaturgisch/erzähltechnisch schlau gemacht sind und – zumindest bei mir – dafür sorgen, dass ich jede Woche wieder einschalte. Schwächen offenbart die Serie, wenn man zu viel über die Handlung nachdenkt. „A“ scheint nämlich nicht nur alles zu wissen, sondern die Mädels auch permanent zu beobachten – und zwar alle vier, 24 Stunden am Tag. Wie das gehen soll, ist mir schleierhaft. Die erste Staffel endete diese Woche und bereits jetzt weiß ich nicht, wie die Macher der Serie jemals zu einem logischen Abschluss kommen wollen. Und in den USA läuft bereits Staffel 5…

Pretty Little Liars, Staffel 2: ab kommenden Mittwoch um 20.15 auf Super RTL (Doppelfolgen)

Für alle, die es jetzt doch noch einmal mit dem TV versuchen wollen: Der wöchentliche Serienkalender Deutschland bzw. der Serienplaner Deutschland mit allen Staffelstarts im deutschen TV auf serienjunkies.de verschaffen einen exzellenten Überblick, was das deutsche Fernsehen aktuell und in naher Zukunft an Serien zu bieten hat (Free TV und Pay TV). Da müsste eigentlich für jeden was dabei sein…