Das Grauen hat einen Namen und sucht mich jedes Jahr um diese Zeit heim. Ende Juni, für genau neun Tage. Die Anzeichen sind schon vorher untrüglich: Das Wetter verschlechtert sich zunehmend, es wird kälter und unbeständiger. Ist das Grauen dann da, regnet es gerne wie aus Kübeln. Zudem macht es sich durch gähnende Leere in der Uni, überfüllte sowie stark verspätetete und mit Fähnchen, die wie Hörner aussehen, geschmückte Busse und eine bis zur Unkenntlichkeit mit Buden und Schundständen vollgestopfte Innenstadt bemerkbar.

Dann ist es da, das Grauen, das gerne als „das größte Segelsportevent der Welt“ bezeichnet wird, in Wahrheit aber eine einzige Fress- und Partymeile (inklusive eines berühmt-berüchtigten Bayernzeltes (!) mit Weißbierausschank (!!)) und nichts anderes ist. Schubsend und schiebend wälzen sich täglich tausende Besucher von einer Fördeseite zur anderen – am Ende der neun Tage werden es drei Millionen gewesen sein -, konsumieren überteuertes Bier, Pommes und alles, was sich sonst noch frittieren lässt. Dabei amüsieren sie sich offensichtlich grandios. Vom Hörensagen weiß man, dass es Menschen geben soll, die sich sogar Urlaub nehmen, um diesem kulturellen Hochevent möglichst ausgiebig beiwohnen zu können.

Ist das Grauen dann vorbei, dauert es noch mindestens drei Tage, bis die Busse wieder im Regelbetrieb fahren. Wochen gehen ins Land bis auch die letzte Bude endlich abgebaut und die Innenstadt wieder zu ihrem grau-depremierenden Look zurückgekehrt ist und der fleißigste Besucher seinen Kater komplett auskuriert hat. Bis zum nächsten Jahr.

Im Leben ist ja auf wenig Verlass – um das Grauen jedoch muss man sich nicht sorgen: Die Kieler Woche ist unsterblich.

Seufz.

Merken