Ja, Harvey Specter (Gabriel Macht) und Mike Ross (Patrick J. Adams) machen auch in Staffel 2 nach wie vor eine mehr als gute Figur in ihren Anzügen. Man mag dies als einen der Gründe für meine derzeitige Suits-Obsession ansehen, aber gewiss nicht den einzigen. Fakt ist, dass ich Staffel 2 verschlungen habe. Verschlungen wie lange keine andere TV-Serienstaffel mehr. Und das will schon was heißen. Der geneigte Leser weiß, dass ich ein absoluter Serienjunkie bin und immer mehrere gleichzeitig „in Arbeit“ habe. Deshalb dauert es meist etwas, bis ich Staffeln durchgeschaut habe. Binge-watching, wie es so schön auf Neudeutsch heißt, ist eigentlich nicht mein Stil. Ich brauche Abwechslung. Über Ostern jedoch habe ich mir die zehn noch fehlenden Folgen der zweiten Staffel Suits innerhalb weniger Tage angeschaut und dabei keinen Gedanken an andere Serien verschwendet. Mal ehrlich, diese Art des Von-einer-Serie-gefesselt-Seins lässt doch das Herz eines jeden Serienjunkies höher schlagen, oder? Meines schlägt auf jeden Fall für Harvey, Mike, Rachel, Donna, Louis und Jessica und schreit lauthals nach Nachschub! Vorher jedoch folgt ein Blick zurück auf Staffel 2. Der Rest dieses Beitrages ist daher ganz und gar nicht spoilerfrei!

So geht’s los: Nachdem in Staffel 1 erstmal eine Art Basis für die zu erzählende(n) Geschichte(n) geschaffen werden und jede Hauptfigur an ihren Platz gebracht werden musste, beginnt Staffel 2 mitten im Geschehen. Staffel 1 endet mit der Aussicht darauf, dass Trevor Jessica von Mikes Geheimnis erzählen will. Tja, die beleidigte Leberwurst zieht dieses Vorhaben auch durch und so weiß Jessica nun, dass Mike nie in Harvard war. Harvey soll Mike daraufhin feuern, bringt es aber nicht über sich (oder wie er es Donna erklärt: „I thought of the amount of work I would have to go through to replace him and decided against it.“ (2.01) Nee, ist klar.) und schließlich überzeugt er Jessica davon, dass Mike bleiben muss. Zur gleichen Zeit kehrt Daniel Hardman, neben Jessica der andere Namenspartner der Kanzlei, nach dem Tod seiner Frau und fünfjähriger Abwesenheit zurück, was für reichlich Trubel sorgt.

Ärger ohne Ende: Im Laufe der Staffel wird Harvey von Travis Tanner verklagt, Mike wird von Jessica erpresst, Jessica wird von Daniel Hardman erpresst, Donna wird gefeuert, Louis schlägt sich mit seinem weiblichen Pendant herum, Rachel wird in Harvard abgelehnt und die Kanzlei muss mit einer anderen Kanzlei fusionieren, um nicht Pleite zu gehen. Puh.

Drama ohne Ende: Harvey hat schwer an Donnas zeitweiligem Verlust zu knabbern und wird zu allem Überfluss noch von Zoe Lawford (die btw von Gabriel Machts Ehefrau gespielt wird) verlassen. Mikes Großmutter stirbt, was ihn völlig aus der Bahn wirft und wieder zu Drogen greifen lässt. Rachel hat einen üblen Streit mit ihrem Vater und mit Mike. Louis‘ Katze stirbt.

Neu in Staffel 2: In Staffel 2 rückt etwas ins Zentrum, was in Staffel 1 noch nicht so wichtig war: die Liebe! Ist das nicht schön? Ein bisschen Herzschmerz macht ja jede Serie noch ein Stück besser, finde ich. Dass Mike und Rachel zusammenkommen, war ja schon von Anfang an klar (In ihrer ersten gemeinsamen Szene in 1.01 sagt Mike „I love  you“ zu ihr. Ich sage nur: Zaunpfahl.), dass es bis zum Staffelfinale von Staffel 2 hinausgezögert wurde, hat mich aber doch überrascht. Nun gut, das gibt Mike die Gelegenheit, sich vorher noch mit seiner Exfreundin Tess zu vergnügen und schließlich von deren Ehemann verprügelt zu werden. Auch Harvey hat endlich mal ein Privatleben und lässt sich wie gesagt auf eine Liaison mit Zoe Lawford, einer ehemaligen Kollegin, ein, die dann für ihn unglücklich endet. Am Ende der Staffel kehrt Scottie, Harveys On-Off-Freundin aus Harvard, nach New York zurück und es bleibt offen, wie sich die Beziehung der beiden weiter entwickelt. Nach wie vor knistert es auch zwischen Donna und Harvey heftig, wie ich finde; mal abzuwarten, wann (und ob überhaupt) der Wunsch des Zuschauers nach einer Beziehung der beiden in Erfüllung geht (oh bitte, bitte!). Über Louis‘ Begegnung mit seinem weiblichen Gegenpart schrieb ich ja schon weiter oben; auch diese zunächst rein geschäftliche Beziehung endet privat unschön für Mr. Litt.

Gar nicht neu – Popkultur: An Harveys und Mikes Filmzitatdialogen hatte ich ja schon in Staffel 1 großen Spaß (und dass, obwohl mir wahrscheinlich viele entgangen sind, weil das ja nicht mein Spezialgebiet ist). Staffel 2 setzt nahtlos da an, wo Staffel 1 aufgehört hat. Meine Favoriten sind ja beide direkt aus Folge 2.01, wenn Harvey bei der Beerdigung (!) von Daniel Hardmans Frau aus Highlander zitiert („There can be only one!“) und wenn Mike glaubt, er würde so enden wie John Pesci in Goodfellas („Karen! Where’s the money, Karen?“). Ansonsten finden sich weitere Zitate – gerne auch mehrfach – aus der Pate, James Bond, Batman, Superman, Spiderman, The Untouchables, Eine Frage der Ehre, Die Reifeprüfung, Der Zauberer von Oz, Casablanca, Dirty Dancing und und und. Auch Fernsehserien sind präsent, z.B. Seinfeld („These pretzels are making me thirsty!“ – Unfassbar lustig, wenn Harvey und Mike in Folge 2.10 Unsinn machen, nachdem sie zusammen gekifft haben.), The Peanuts, Game of Thrones und selbstverständlich auch Star Trek. Eine detaillierte und sehr unterhaltsame Zusammenstellung der Film-/Serienzitate in Suits mit Verlinkungen zu den Originalzitaten findet sich übrigens hier. Herausgehoben sei auch noch Harveys und Mikes Diskussion über Harveys Musikgeschmack in 2.04, die damit endet, dass Mike lauter miese Popmusiker aufzählt und schließlich Harvey fragt: „What, you got Bieber Fever?“

Fazit: Nachdem ich ja schon oben schrieb, dass Staffel 1 erstmal die Geschichte anschieben musste, kommt Staffel 2 von Anfang bis Ende sehr schwungvoll daher. Man kennt die Figuren, man kennt die Kanzlei  – da bleibt auch Zeit, um mal erzählerische Umwege zu nehmen. Besonders gefallen hat mir die Flashback-Folge 2.08, in der dem Zuschauer gezeigt wird, wo die Figuren sich vor fünf Jahren befanden: Mike ist pleite und fängt an, den Jurastudiumszugangstest für andere Leute zu schreiben; Harveys Vater stirbt und erlebt somit nicht mehr mit, wie sein Sohn kurz danach befördert wird. Beides sind wichtige Momente im Leben der Hauptfiguren und zeigen, wer sie sind und wie sie dorthin gelangt sind, wo sie nun sind. Das gilt speziell für Harvey, den ich in Staffel 1 nur als den arrogant-eingebildet-selbstverliebten Typen wahrgenommen habe, der in Staffel 2 aber wesentlich mehr Seiten offenbart und so an Profil gewinnt. Nachdem ich somit zunächst eher von Mikes Geschichte angetan war, ist Harvey – wie ich finde – inzwischen die interessanteste Figur.

Die Serie mischt auf sehr unterhaltsame Weise Anwaltsgeschichten mit Liebesdramen, interessanten und liebenswürdigen Figuren und spritzigen Dialogen und liefert damit für mich die perfekte Ablenkung von meinem Masterarbeitsalltag. Ich hatte sehr viel Spaß an Staffel 2 und werde Suits auf jeden Fall weiter verfolgen. Nicht, dass meine Sucht mir eine Wahl lassen würde…