Im Fernsehen gibt es viel Schrott. Das ist zwar meine subjektive Meinung, aber auch Fakten sprechen dafür. Wenn F-Promis, die in einem weit entfernten „Dschungel“ vor sich hin vegetieren, das TV-Highlight des Abends sind, wünsche ich mir manchmal die 90er mit ihren Talkshows zurück. Das war wenigstens noch echtes Reality-TV.

Umso mehr huldige ich den Perlen, die mir in diesem tristen TV-Alltag manchmal ganz zufällig in die Hände fallen. So vor ca. zwei Jahren geschehen mit Fringe,  einer wahren amerikanischen TV-Serien-Perle. Am vergangenen Freitag liefen in den USA die letzten beiden Folgen der fünften und letzten Staffel. Der aufmerksame Leser wird sich erinnern, dass ich bereits im Zuge des nahenden Weltuntergangs vor einigen Wochen eine Szene aus dieser Serie zitierte. Ich bitte um Verzeihung, dass ich mich erneut dieser Thematik widme, aber ich kann nicht anders. Diese Serie hat mein Leben verändert.

Wow, diesen Satz muss man sich mal in seiner ganzen Reichweite zu Gemüte führen. Es ist aber wahr. Keine Serie vorher hat mich je so gefesselt wie diese. Die Mischung aus Mystery, Science Fiction, Drama und einem kleinen Schuss Liebe gepaart mit unfassbar liebenswürdigen Charakteren macht einfach süchtig. Dementsprechend hart ist der Abschied. Auch wenn keine der Hauptfiguren am Ende stirbt, habe ich Rotz und Wasser geheult. Ich fühle mich verlassen.

So viele Stunden habe ich mit ihnen verbracht. Mit Walter und Astrid in Walters Labor. Mit Peter, Olivia, Broyles, Charlie und Lincoln im Einsatz irgendwo in Boston oder New York. Mit Fauxlivia, Walternate, Alt-Charlie und dem anderen Lincoln im Paralleluniversum. Wir sind gereist in das Jahr 1985, als Peter starb und Walter ein Tor zum Paralleluniversum baute, um den Peter dort zu retten. In das Jahr 2026, in dem das Paralleluniversum zerstört ist und auch unser Universum vor die Hunde zu gehen droht. In das Jahr 2036, in dem die Beobachter die Herrschaft über unser Universum übernommen haben und nur Walter, Peter, Olivia, Astrid und September sie besiegen können.

Wir haben gesehen, wie jede Handlung, jede Entscheidung Konsequenzen hat. Dass es so etwas wie ein Schicksal geben mag, dass es aber immer uns überlassen bleibt, was wir daraus machen. Und dass am Ende nur wichtig ist, dass wir mit den Menschen zusammen sind, die uns etwas bedeuten. Lincoln lässt alles zurück, um mit Fauxlivia im Paralleluniversum zu leben. Peter tut alles, um zu „seiner“ Olivia zurückzukehren und merkt gar nicht, dass er sie längst gefunden hat. Und Astrid ignoriert 100 Folgen lang tapfer, dass Walter sich weigert, ihren Namen korrekt zu verwenden. Aber was macht das schon, er meint es ja nicht böse – und sie weiß das.

Nur eine war dem ganzen Chaos aus Monstern, Doppelgängern, Parallelwelten und Weltuntergängen gegenüber stets immun. Gene, die Kuh. Ein wahres Vorbild stoischer Ruhe.

Gott sei Dank gibt es DVDs.

WALTER (to PETER): You will never see me again. You will never see me again because it had to be this way to ensure the future of our humanity. Your future. The future of Olivia. And the future of ‘Etta. I don’t want you to be sad. The time we had together we stole. I cheated fate to be with you. And we shouldn’t have had that time together, but we did. And I wouldn’t change it for the world. I don’t want to say good-bye. But I will say… I love you, Son. (Fringe Season 5, Episode 13: An Enemy of Fate)